Israel

1999 / 2000

Aus dem Reisetagebuch von Lisa Almeroth

Israel 1. Teil

Israel 2. Teil

Israel 3. Teil

Samstag, 1. Januar
Um 7:30 Uhr werden wir geweckt. Die Hotelbedienung scheint noch nicht recht im Jahr 2000 angekommen zu sein. Am Frühstückstisch finden wir kein Rührei, Teller fehlen, harte,  trockene, geraspelte Möhren finden wir vor. Egal, wir werden trotzdem satt. Um 9:20 Uhr fahren wir in Richtung „Totes Meer“ durch die Wüste Juda.  Das Tote Meer liegt ca. 405 m unter dem Meeresspiegel. Auf der Fahrtroute erkennen wir einen Kibbuz „Ahava = Liebe“,  in dem 40 Leute leben und arbeiten.

Wir kommen an den „EN GEDI“ – Quellen vorbei und an dem Kibbuz mit gleichem Namen. Eine Oase bietet sich unserem Auge. Es regnet sehr, sehr selten, höchstens sieben Tage im Jahr. Es kommt schon mal vor, dass das Wasser die Berge runterströmt. Michael macht Spaß und  meint: „Autobusse, Schwiegermütter und Steine, alles stürzt bergab“. Wir fahren nach Massada, einer militärischen Festung, die  im Jahre 73 nach Christus erbaut wurde.

Fanatische Juden (Zeloten) machten hier Selbstmord. Man spricht von 976 Personen. Sie wollten als freie Juden sterben, sahen keine Chance, gegen die römische Besatzung anzukommen. Massada ist für Israel ein heroischer Höhepunkt, geradezu ein Symbol. Spätere Soldaten wollten keinen Selbstmord begehen. Sie wollten und  werden um ihr  Land kämpfen.

Um 13:10 Uhr treffen wir in „EIN GEDI SPA“ ein, kehren in ein Restaurant ein, setzen uns  auf die Terrasse und stillen unseren Hunger und Durst. Ein Bähnli bringt uns ans Tote Meer. Am Ufer des Toten Meeres sehen wir  die enormen Salzablagerungen. Klaus organisiert sich gleich ein Salzstück als Andenken. Ich habe vor, mit Christel gemeinsam zum Baden ins Wasser zu gehen, weil sie in fremden Gewässern meist sehr ängstlich ist. Aber wo steckt sie?  Da, plötzlich taucht sie auf !  Sie ist ganz aufgeregt und weint, hat dazu ganz rote Augen.

 

Sie war uns vorausgeeilt, wollte uns ihren Mut beweisen. Aufgrund ihrer Angst strauchelte sie, bekam das fiese Salzwasser in Mund und Augen. Es brannte ganz fürchterlich. Uns tut das sooo leid, aber hier hilft nur tüchtig duschen. Jetzt gehe ich ins Wasser. Vorgewarnt bin ich super-vorsichtig  und halte mich am nahen Ufer auf, die Stange eines Geländers fest im Griff. Klaus macht schnell eine Aufnahme, und dann nix wie raus.
Endlich genießen auch Roland und Klaus das Baden  im Toten Meer. Sie packen das besser als Christel und ich, liegen auf dem Rücken und werden vom Wasser getragen. Einige lesen  dabei sogar die Zeitung. Auf alle Fälle haben wir das  ganz persönliche Erlebnis gehabt, im Toten Meer zu baden. Um 16:30 Uhr fährt uns unser Bus zurück zum Hotel Shalom, vorbei an den berühmten Qumran–Höhlen, in denen man die Schriftrollen der Essener im Jahre 1947 fand.

Nach dem Abendessen unternehmen wir eine Nachtfahrt in die Altstadt. Wir bummeln durch die Gassen des jüdischen und christlichen Stadtteils. Wie sauber ist es hier im  Gegensatz zum arabischen Viertel. In den Gassen und Geschäften herrscht ein reges Treiben. Es duftet nach allen möglichen exotischen Kräutern. Jeder will uns seine Waren anbieten, doch wir sind vorgewarnt und  lassen uns nichts aufschwatzen. Vom Ölberg aus genießen wir noch einmal den  Blick auf Jerusalem. In den Gassen der Altstadt und auch von hier oben  haben wir den Eindruck als befinden wir uns im Märchen von 1000 und einer Nacht. Das Lichtermeer ist beeindruckend. Wir können einfach nur staunen und uns immer wieder bewusst machen, dass wir wirklich im Heiligen Land sind. Wieder geht ein erlebnisreicher Tag zu Ende.   
Sonntag, 2. Januar
Heute werden wir bereits um 5:45 Uhr geweckt, um so früh wie möglich in die  „El-Aksa-Moschee“  und in den Felsendom zu kommen. Mischa befürchtet, dass zu späterer Zeit zu viele Touristen dort aufkreuzen und das Gedränge zu groß würde. Um sieben Uhr sind Christel und Emil noch immer nicht am Frühstückstisch. Wir machen uns Sorgen, ob es ihnen nicht gut geht oder  sie  verschlafen haben. Roland schaut nach. Sie sitzen seit sechs Uhr in Wartestellung auf ihrem Bett, anstatt per Telefon bei uns mal nachzufragen. Vermutlich sind sie  noch von der 1000 und eine Nacht Atmosphäre gefangen genommen.  Schnell trinken sie eine Tasse Kaffee. Ich hole vom Buffet Brot, Butter, Käse, damit sie unterwegs ein bissel zu futtern haben. Der Reiseleiter und die Gruppe sind schon sauer, weil sie so lange warten müssen. Dummerweise  funktioniert auch ausgerechnet jetzt der Fahrstuhl nicht, hält nicht da an, wo er soll. Endlich kommen die beiden Lieben. Ach, und nun fehlt auch noch der Herr Mai!  Seiner Frau ist das total peinlich. Gott sei Dank, auch er kreuzt auf, steigt in aller Seelenruhe in den Bus. Auch mit ihm spielte der Fahrstuhl verrückt, fuhr hoch und runter und hielt nicht, wo er sollte. Jetzt kann die Reise losgehen. Wir kommen noch zeitig genug an. Kein Massenauflauf, nur wenige Menschen entdecken wir. Unsere Taschen mit Geld, Schuhen, Fotosachen - alles muss draußen bleiben.

Da Emil bereits in der El Aksa Moschee war, bietet er sich freundlicherweise als  Bewacher der gesamten Klamotten von 18 Leuten an . Er könnte damit  schon im Vorhof einen Basar eröffnen. Wir sind ihm sehr dankbar. Es wird darauf hingewiesen, dass Paare sich in der Moschee nicht küssen, Händchen halten,  umarmen dürfen. Ein junges Ehepaar aus unserer Gruppe tat es dennoch, nicht böswillig, sondern aus alter Gewohnheit. Sofort kam ein Aufseher und ermahnte sie.  Der Raum in der El Aksa Moschee ist mit Teppichen ausgelegt, um darauf kniend beten zu können.

In dem riesigen Raum finden etwa 5000 Leute Platz. Frauen beten  getrennt  von den Männern. Es herrscht eisige Stille.  Für uns als Europäer mutet das alles fremd an, aber wir wissen darum und achten die Sitten. 
Anschließend betreten wir (wieder ohne Schuhe) den Felsendom, der mit seiner prachtvollen, goldenen Kuppel  von überall zu sehen. Zum Tempelberg gehört auch die Klagemauer, die wir anschließend besichtigten. Die Außenmauer des ehemaligen Tempelbezirkes ist ein besonders „heiliger“ Ort der Anbetung für die gläubigen Juden. Traditionsgemäß auch hier getrennt nach Männern und Frauen.

Zur Grabeskirche gehen wir durch die
Via Dolorosa (Leidensweg Jesu), beobachten das rege Geschäftsleben in den engen Gassen, in denen den Touristen alles Mögliche feilgeboten wird. Wir gelangen schließlich auf den Platz vor der
Grabeskirche.
Nach einigen Erläuterungen gehen wir in das Gebäude und stehen vor der  Höhle, die als Grabstätte diente, in der  Simon den gekreuzigten Jesus beisetzte.

Mit dem Bus fahren wir jetzt nach Bethlehem. Dort besichtigen wir die Geburtskirche Jesu „Santa Catharina“. Eine winzige Öffnung durchklettern wir, um in das Innere zu gelangen. Es ist schon beeindruckend, hier verweilen zu können. Zum Mittagessen kehren wir in ein christliches Restaurant ein namens  St. Georg. Mischa hatte uns hier bereits angemeldet. Zurück in Jerusalem besuchen wir noch den Garten Gethsemane. Es ist schon bewegend, sich vorzustellen, dass unser Herr Jesus Christus hier durch den Judaskuss verraten wurde  und  von den Soldaten abgeführt wurde. 

Nach einiger Zeit der Besinnung betreten wir die  Kirche  der  Nationen. Wir beten leise an der Stätte, wo Jesus gefangen genommen wurde. Im Hotel halten wir unsere Abendandacht. Nach dem Abendessen spielen wir in der Lobby Rommé. Neben uns platziert sich eine italienische, christliche Jugendgruppe mit ihrem Pastor. Sie singen voller Begeisterung fröhliche Lieder, so dass wir einfach mit einstimmen müssen. In Englisch frage ich zwei junge Mädchen, woher sie kommen, was für eine Gruppe sie sind, und sie geben ganz freundlich Auskunft. Ich erzähle auch ihnen, dass wir Christen aus Deutschland sind. Mit  einem irischen Volkslied beendeten sie den herrlichen Abendgesang. 
Montag, 3. Januar

Danach fahren wir zum Hadassah-Krankenhaus. Hadassah ist eine zionistische Frauenorganisation. Diese fördert Programme  für jüdische Erziehung, zionistische Bildung sowie einige Jugendaktivitäten. Hadassah  unterstützt das Gesundheits– und Unterrichtswesen in Israel  u.a.m. Ein Videovortrag informiert uns über die Einwanderung,  Erziehung und Krankenbehandlung. In der Synagoge des Hadassah- Hospitals  besichtigen wir die grandiosen Chagall-Fenster. Eine wahre Farbenpracht!  Angestrahlt vom Sonnenlicht!  Eine Dame erläutert die Bedeutung dieser Fensterbilder. Auf dem Herzlberg erfahren wir etwas über den Visionär  Herzl, dem Gründer der zionistischen Bewegung. Zionist bedeutet: Leute, die hier leben und wohnen wollen. Sehr interessant ist die anschließende Besichtigung der Diamanten-Schleiferei. Zur Einführung zeigt uns eine junge Schwarzwälderin namens Elizabeth ein Video über Fund und Verarbeitung der Diamanten. Im Anschluss daran können wir den Goldschmieden und  Brilliantschleifern direkt bei der Arbeit zusehen. 

So z.B. schaue ich Mischa, einem aus Russland eingewanderten Juden zu, wie er meinen  gekauften Ring verkleinert, wie er schleift, reinigt und lötet. Das ist richtig spannend.
Ich kann sogar mit diesem Mischa Russisch sprechen. Er freute sich darüber, und Elizabeth staunte nicht schlecht, als sie uns in Russisch reden hörte. Überhaupt überraschte es mich, dass ich in Israel so viele Gelegenheiten hatte, meine russischen Sprachkenntnisse anzuwenden. Als nächstes fahren wir zum Weizman–Wood, im Planting Center, wo jeder von uns ein Bäumchen kauft und  pflanzt, damit wir zur Begrünung des Landes Israel beitragen. Sogar für Opa pflanzen Roland und Klaus ein  Bäumchen.

Im Israel-Museum suchen wir den Schrein des Buches mit den aus-gestellten Schriftrollen vom Toten
Meer (Qumran) und die Archäologische Abteilung auf.

Wir stehen gegenüber der Knesseth vor einem weiteren Wahrzeichen des Landes Israel, dem siebenarmigen Leuchter, der Menoráh Unsere letzte Station ist die Holocaust–Gedenkstätte „Yad Vashem“. Wir sahen das Schindler Denkmal, standen vor dem Mutter–Kind  Denkmal und gingen in die Kindergedenkstätte, einem verdunkelten Raum mit vielen Spiegeln. Es brannten viele Lichter, für jedes der ermordeten Kinder im KZ eines. Vom Band hörten wir jeweils die Namen und das Alter dieser Kinder. Weitere Gedenkstätten waren. In einem anderen Gebäude befindet sich die ewige Flamme. 

Auf Bodenplatten  sind Ortsnamen eingraviert, in denen sich KZ befanden: z.B. Bergen–Belsen,  Auschwitz, Treblinka. Es waren für uns alle bewegende Momente. Ich schämte mich unserer deutschen Vergangenheit, betete um Vergebung, dabei flossen die Tränen. Wieder nach draußen gekommen, waren wir nicht fähig zu reden, zu tief saß die Erschütterung. Es dauerte eine geraume Zeit, bis wir uns wieder gefasst hatten. In einem weiteren Gebäude war eine  Dokumenten– und  Bilderausstellung.  Verschiedene Dinge (Kleidungsstücke, Taschen  etc.) von den Ermordeten waren unter Glas aufbewahrt. Viele Fotos von den Gräueltaten der Nazis an den Juden, dazu die entsprechenden Texte hingen zur Dokumentation aus. Davon blieb wohl kaum jemand unberührt. Überall sah ich die Besucher mit Tränen  in den Augen. Man kann es nicht begreifen, wozu Menschen fähig waren. Noch immer tief  ergriffen, fahren wir zum Hotel Shalom zurück.
Wir verabschieden uns von Simon, unserem Fahrer und von Michael, unserem Reiseleiter. Jeder bekommt von uns einen Umschlag mit Trinkgeld. Wir legen noch einen Dankesbrief und unsere Adresse dabei, wenn Michael zur Expo in Hannover weilt, kann er uns kurz besuchen. Im Mini–Shop der Hotelanlage entdecke ich das Buch über den Kibbuz, kaufe es als Andenken und zur Information. Leider heißt es schon wieder Koffer packen. Aber vor uns liegen ja noch ein paar erholsame Tage in Eilat, auf die wir uns riesig freuen.

Israel 1. Teil

Israel 2. Teil

Israel 3. Teil