Spreewald

2001

Aus dem Reisetagebuch von Lisa Almeroth

Donnerstag, 23. August
Nach dem Frühstück und der Andacht geht es mit dem Bus zum Bahnhof in Landsberg/Warthe (Polen).  Um 9:43 Uhr nehmen wir von meiner „alten Heimat“ Abschied. Wir fahren bis Küstrin; dort wollen wir umsteigen in Richtung Berlin–Lichterfelde. Erstmals verlangt man jetzt auf dem Bahnsteig unsere Ausweise. Der Grenzpolizist wunderte sich, wie wir wohl auf den Bahnsteig gekommen sind. In Englisch erklärten wir ihm, dass wir umsteigen mussten und somit gleich auf dem Bahnsteig landeten. Alle anderen Fahrgäste mussten erst durch ein Absperrtor, wenn sie verreisen wollten. Alles verlief dann  reibungslos. In Lichterfelde angekommen, fahren wir mit der S-Bahn bis zum Ostbahnhof. Sofort haben wir Anschluss nach Lübbenau/Spreewald. Überall klappte der Zuganschluss bestens. Da macht das Reisen Spaß. Um 13:45 sind wir in Lübbenau. Ein Taxi bringt uns zum Hotel nach Leipe. Zuerst stärken wir uns im Freien an Kaffee und Kuchen. Die Wespen belagern uns dabei aufdringlich. Dann beziehen wir unser Hotelzimmer (Nr.101). Wir packen den Koffer aus, erfrischen uns, ziehen uns um, und auf geht es bei herrlichem Wetter, die Gegend zu erkunden. Auf der Straße und auf den Wegen entdecken wir Mengen von Kartoffelkäfern.
Wir kennen sie aus der Nachkriegszeit und von Rußland (Tschuwaschien) und sind verwundert, dass es sie noch in Deutschland gibt. Unterwegs rufen wir Christel und Emil an. Sie staunen, wo wir inzwischen gelandet sind. Zu Hause ist alles in bester Ordnung. Jetzt gehen wir ins Hotel zum Abendessen. Als Vorsuppe wird Kartoffelsuppe serviert. Dann folgen Bratkartoffeln, Schweinenacken mit Meerrettich, grüne und Senfgurke, Tomaten und viel Zwiebeln. Alles schmeckt bestens und ist viel zu reichlich. Um unser volles Bäuchlein zu entlasten, spazieren wir zum „Hafen“, kaufen am Kiosk Ansichtskarten und genießen auf einer Bank sitzend die herrliche Atmosphäre. Bald ruft uns unser Bett, zumal der Tag reichlich ausgefüllt war.

Freitag, 24. August
Ach, ist das schön, im Spreewald zu erwachen!  Wir sind gespannt, was uns hier alles erwartet. Nach einem reichhaltigen Frühstücksbüfett und nach der Andacht nehmen wir an einer mehrstündigen Kahnfahrt teil.  Um 10 Uhr starten wir von dem kleinen Hafen an unserem Hotel. Wir fahren zunächst bis Lehde. Hier pausieren wir und schauen uns die Umgebung an. Am Hafen selbst ist sehr viel Betrieb. Es scheint, alle Welt will den Spreewald sehen. Bald geht es weiter bis zum Ausflugslokal  „Wotschofska“. Hier nehmen wir Getränke und einen Imbiss zu uns. Unser Kahnstaker ist ein fröhlicher Geselle. Er bittet uns, wieder einzusteigen, stakt uns durch die Fließe, durch eine wunderbare Landschaft, vorbei an Wiesen und Feldern, an hübschen Häuschen mit ihren Anlegestegen bis wir um 15:15 Uhr in unserem Heimathafen wider anlanden.

Einfach toll, ohne Mücken und richtig erholsam war die Fahrt. Wir besuchen das Cafe „Zur Spreewälderin“. Hier genießen wir die besten Hefeplinsen der Gegend, dazu Kaffee und eine Himbeerschnitte. Unser nächstes Ziel ist der Hafen von Leipe. Am Kiosk kaufen wir Getränke und Karten. Wir setzen uns auf eine Bank, lösen Kreuzworträtsel und genießen Gottes wunderbare Schöpfung. Zum Abendessen finden wir uns wieder Abendessen finden wir uns wieder im Hotel ein. Es gibt gebratenen und gedünsteten Hecht, der sehr schmackhaft zubereitet ist.

Anschließend stellt sich uns eine waschechte Spreewälderin vor, berichtet aus der Geschichte, von Land und Leuten, von den Sorben und Wenden, zeigt uns deren Trachten und Gerätschaften. Sie macht das richtig spannend, aber locker und leicht verständlich. Ihr wird viel Beifall gespendet. Schon wieder geht ein sonnenreicher, erlebnisreicher Tag zuende.    

Samstag, 25. August

Wir leihen uns Fahrräder aus und radeln nach Burg, wo wir das Haus Nr.14 von Tante Lisa aufsuchen. Anhand unseres Fotos entdeckt es Klaus als erster. Bei Nachbarn gegenüber vergewissere ich mich, ob wir auch das richtige Haus vor uns haben. Sie bestätigen es. Wieder ein Erfolgserlebnis, über das wir uns riesig freuen. Klaus filmt und fotografiert es.

Auf dem Weg durch den Ort kaufen wir Andenken und Videokassetten. Im Haus des Gastes  besorgt Klaus Infos  für Sonntag. Unterwegs schleckern wir noch Eis und  trinken Eisschokolade. Bald radeln wir zurück über Dubkower Mühle nach Leipe.

Im Hotel erfrischen wir uns, gehen  dann zum „Spreewaldhof“, wo böhmische Musikanten aufspielen und singen. Na ja, es gab schon Besseres an böhmischer Musik. Also entschließen wir uns, ein Paddelboot auszuleihen und auf der Spree zu schippern. Mein Schatz bedient die Paddel alleine, denn für meine Schultern ist das zu anstrengend. Schon beim ersten Versuch spüre ich die Schmerzen. Rund um Leipe paddeln wir auf der Hauptspree, den Spreearmen und  den Fließen. Die Gegend ist richtig urig und romantisch zugleich, wenn die Sonnenstrahlen durch das Blattwerk der Bäume blitzen.

Sogar Nutria können wir aus nächster Nähe beobachten, wie sie miteinander turteln und ein Reh entdecken wir  im Gebüsch. Leider entfernt es sich zu schnell, so dass wir es nur ein wenig auf die Linse kriegen. Nach zwei Stunden beenden wir unseren Ausflug und liefern das Paddelboot ab.  Das Abendessen wartet auf uns. Es gibt gebratenen Zander mit Röstis. Einfach köstlich!  Bei Lichterkettenbeleuchtung  genießen wir noch die Abendstimmung am kleinen Hotelhafen. Bald geht es ins Bett.    
Sonntag, 26. August
Heute unternehmen wir eine Radtour nach Burg über eine andere Strecke in Richtung  „Waldschlösschen“. Durch Gottes schöne Natur, vorbei an Wiesen und Feldern erreichen wir das Ausflugslokal. Viele Autobusse sind mit Touristen unterwegs. Aber so toll, wie uns gesagt wurde, finden wir das Restaurant nicht. Weiter fahren wir auf einem gemütlichen, uns unbekannten Weg nach Burg. Hier angekommen, besichtigen wir die Kirche. Auf einer Bank im Schatten ruhen wir uns aus. 

Ein Ehepaar spricht uns an. Da die Frau aus Burg stammt, frage ich sie, ob sie meine Tante Lisa, Freifrau von Negri,  kennt. Begeistert erzählt sie mir, dass sie und ihre Schwester in jungen Jahren bei Tante Lisa dienten und viel bei ihr lernten. Sie war zwar sehr streng, aber korrekt, liebevoll und hilfsbereit. Wie der Herr doch die Wege führt, dass  uns ausgerechnet diese Leute ansprechen. Danke, Herr!
Ich erfahre u.a. auch, dass Tante Lisa nach dem Tod von Onkel Theo durch die Behörden der DDR und durch etliche böse Menschen  viel zu leiden hatte.  Es wundert mich gar nicht; denn Leute mit Titeln und noch dazu begütert, wurden kalt gestellt. Trotzdem war es für mich eine große Freude, etwas über meine Verwandtschaft erfahren zu haben. Im nahegelegenen Straßencafe stillen wir unseren Durst und plaudern mit einem netten Ehepaar aus dem Erzgebirge. Dann suchen wir uns einen guten Platz am Straßenrand, um den vorbeiziehenden Trachtenumzug gut sehen zu können. 

Hinter mir entdecke ich einen großen Stein, auf dem ich mich niederlassen kann. Klaus hat sein eigenes Plätzchen, um gute Videoaufnahmen machen zu können.  Bald ist der Straßenrand von Zuschauern besetzt. Das Ehepaar aus dem Erzgebirge taucht auf, entdeckt mich und  gesellt sich zu mir. 

 

Während der Mann zum Filmen abtaucht, biete ich der Frau auf „meinem“ Stein einen Platz an. Sie freut sich und plaudert nett mit mir. Jetzt ziehen die Trachtengruppen an uns vorbei, singend, musizierend und tanzend.  Einige sitzen auf Wagen und Pferden, alles wunderbar geschmückt. Fischsuppe, Gurken, Butterbrot, Bonbons, Plinsen, Schnäpschen und Käsesuppe werden uns gereicht. Alles schmeckt lecker und macht richtig satt.  Sogar eine reizende, polnische Trachtengruppe zieht an uns vorbei, tanzend und singend. Welch ein Erlebnis !   Allmählich endet der Umzug.  Wir radeln  heimwärts.  Auf sonnigen Wegen  gelangen wir bald an unserem Domizil an.

 Gerne wären wir noch einmal bei der „Spreewälderin“ zum Kaffee und zum Plinsen-Essen eingekehrt. Leider fand gerade jetzt eine Familienfeier statt; also geschlossene Gesellschaft!  Ich war so k.o., dass ich mich trotzdem dort auf einen Stuhl setzte, um mich zu erholen. Mürrisch wollten diese Gäste wissen, ob wir das Schild am Eingang nicht gesehen hätten. Wir verneinten, denn es war so postiert, dass man es wirklich nicht gleich auf Anhieb entdecken konnte. 

Nach einer kurzen Verschnaufpause fahren wir zum Gasthaus „Froschkönig“. Bei „Babbelbier“, Eisschokolade und Plinsen erholen wir uns richtig. Zwei nette Herren am Tisch plaudern gemütlich mit uns. Vater und Sohn stammen aus Leipzig, wohnen aber seit Jahren schon in Lübbenau. Der Vater berichtete interessant von seinen Kriegserlebnissen. Er war Pilot einer JU–Maschine, der Sohn berichtete von seiner Arbeit in München.
Allmählich müssen wir unsere Fahrräder zurückbringen, die wir für zwei Tage ausgeliehen hatten. Anschließend spazieren wir zum Hotel, duschen uns nach diesem heißen, anstrengenden Tag, packen unseren Koffer und die Taschen und begeben uns zum letzten Abendessen ins Freie. Wir freuen uns auf Salzkartoffeln und Grützwurst, dazu saure Gurken – ein typisches Spreewaldgericht.  Hmmm, das schmeckt lecker!  Bald begeben wir uns zur Nachtruhe.

Montag, 27.. August
Nach gutem und erholsamen Schlaf frühstücken wir, halten unsere Andacht und bezahlen die Hotelrechnung. Der Mann, bei dem wir Räder und Paddelboot ausgeliehen hatten, bringt uns im Privatwagen nach Lübbenau zum Bahnhof, organisiert vom Hotelbesitzer. Wir freuen uns, plaudern unterwegs nett miteinander und zahlen bedeutend weniger, als mit dem Taxi. Auf Wiedersehen Spreewald! Es waren herrliche ,erholsame Tage. Der Zug  bringt uns gesund nach Hannover. Unserem treuen Herrn und Gott sei Lob und Dank  für alle Bewahrung, für alles, schöne Erleben.