Portugal & Madeira

September 2001

Aus dem Reisetagebuch von Lisa Almeroth

Griechenland hatten wir im letzten Jahr  besucht, so dass wir nun die Portugal - Reise antreten können. Wir haben uns je für eine Woche Lissabon und Madeira entschieden. Wir, das sind: Erika und Friedrich, Emil und Christel, Sonja und Viktor, Adelgund, Friedegard, Mirko und Yvonne, sowie Lisa und Klaus. Adelgund ist am Vortag der Abreise aus Magdeburg bei uns eingetroffen.

Freitag, 14. September
Sehr früh, um  5:00 Uhr, holt uns ein Taxi ab. Es bringt uns zum Bahnhof. Alle Teilnehmer treffen sich hier auf Bahnsteig 2, um mit der S-Bahn zum Flughafen zu fahren. Wer nicht zu sehen ist, sind Hoffmanns. Wir machen uns Sorgen, rufen zu Hause an, niemand meldet sich. Also müssten sie unterwegs sein.  Die S-Bahn fährt ein. Wir müssen ohne sie  einsteigen. Im Flughafen wandern unsere Blicke immer wieder zum Eingangsbereich. Einige beten leise für die Lieben. Dann endlich ein Aufatmen, sie kommen. Gott sei Dank, dass niemand etwas zugestoßen ist. Wir erfahren von ihnen, dass sie vor dem Bahnhof gewartet haben. Der Treff auf Bahnsteig 2 war ihnen völlig aus dem Gedächtnis entschwunden. Jedenfalls kann nun die Reise beginnen. Um 7:40 Uhr fliegen wir ab nach Brüssel. Hier haben wir 1 Stunde und 15 Minuten Wartezeit. Während dieser Zeit stoßen auch Mirko und Yvonne aus Düsseldorf dazu. Auf zum nächsten Flug mit der Fluggesellschaft SABENA nach Lissabon. Um 12:20 Uhr landen wir dort. Eine Reiseleiterin namens Ana taucht auf und begleitet uns im Bus bis zum Hotel in Cascais.
An der Hotelrezeption erfolgt die Anmeldung,  Zimmerschlüsselübergabe, und alle verteilen wir uns in die 2.,  3., und 4. Etage. Um 16 Uhr treffen wir uns, um in der Stadt Geschäfte auszukundschaften und die Umgebung zu erforschen. Es ist schon ein echtes Unterfangen. Wir laufen und laufen, doch von einem Supermarkt ist nichts zu sehen. Wir fragen einige Leute, und endlich werden wir fündig. Auf dem Rückweg merken wir, dass wir bei der Suche fast nur im Kreis gelaufen sind, und dass wir im Grunde gar nicht weit von unserem Hotel entfernt sind. Um 19:30 Uhr  wird im Hotel ein "Barbecue-  und Folkloreabend“ auf der Terrasse angeboten. Zum Pauschalpreis kann jeder essen was und wie viel er mag. Das klingt sehr verheißungsvoll, und wir entschließen uns, daran teilzunehmen. Leckere Sachen werden angeboten und ein jeder langt zu, was der Magen aufnimmt. Folkloregruppen erfreuen uns mit Tanz und Gesang. In den Pausen tummeln sich Kinder auf der Tanzfläche. Allmählich wird es kühl, die Müdigkeit stellt sich ein, und so entschließen wir uns, schlafen zu gehen.

Samstag, 15. September

Gestärkt durch guten Schlaf genießen wir um 9:00 Uhr  das reichhaltige Frühstücksbüfett. Danach trifft sich die Gruppe in unserem Zimmer zur Andacht. Der erste Urlaubstag dient jedem zum Akklimatisieren. Mit Christel und Emil gehen wir zu den Klippen, setzen uns auf  Gesteinsbrocken, genießen die Sonne  und den Blick aufs weite Meer. Auch Yvonne ist unterwegs, die Umgebung zu erkunden, dabei entdeckt sie uns. Mirko schläft derweil nach seinem beruflichen Stress erst einmal ausgiebig. Alle anderen Lieben tummeln sich im Pool. Auch sie genießen die Sonne, die Ruhe und das Meer. Um 19 Uhr gehen wir alle auf die Suche nach einem netten Restaurant, um zu Abend zu essen. Schnell entdecken wir eines mit Terrasse. Sogar die Tische können wir zusammenrücken, um in der Runde gemütlich miteinander plaudern zu können.
Der Kellner trägt Käsehäppchen, Oliven, eingelegten Rogen, Brot und Mineralwasser auf. Nichtsahnend greifen wir tüchtig zu, in der Annahme, dies gehöre zum Empfang, zum Service dazu, zumal wir ja noch nichts bestellt haben.  Natürlich bedanken wir uns auch noch sehr freundlich für so eine  nette Geste. Bei unserer Bestellung weisen wir gleich darauf hin, dass jeder für sich bezahlen will. Trotzdem legt uns der Kellner  eine Gesamtrechnung vor. Um allen Problemen aus dem Wege zu gehen, bezahlt Klaus erst einmal. Anhand des Bons, so dachten wir, kämen wir schnell miteinander klar. Aber falsch gedacht! Es blieb eine Summe offen, die wir uns nicht erklären konnten.

Doch langsam dämmert es Klaus, Friedrich und dann uns allen. Hat doch der Schlingel alles in Rechnung gestellt, was wir an Vorspeise gar nicht bestellt hatten. Für jeden machte das ca. 10 DM aus. Also kassierte er allein für die Vorspeise ca. 120 DM von uns. Wir sind über so eine Unverschämtheit richtig sauer. Klaus gibt dem Kellner zu verstehen, dass das nicht in Ordnung ist. Folglich bekommt er auch kein Trinkgeld. Trotz schöner Terrasse sieht man uns hier nicht wieder. Auf alle Fälle sind wir gewarnt beim Besuch anderer Restaurants. Auf dem Heimweg beschäftigt uns diese Sache immer wieder. Mit Ausländern kann man das ja machen, die verstehen die Sprache nicht und auch nicht die Sitten und Gebräuche. Aber ab heute werden wir wachsam sein.
Sonntag, 16. September

Nach dem Frühstück treffen wir uns in Gardis Zimmer zur Andacht. Anschließend wandern wir am Wasser entlang nach Estoril. Die Sonne meint es fast zu gut mit uns. Aber wir freuen uns an der schönen Landschaft, dem Meer und allem Neuen. Im Eingangsbereich einer Gaststätte entdecken wir in einem Behältnis kleine Muscheln, die munter durch die Gegend spucken. Das ist possierlich anzusehen. Endlich finden wir den großen Park mit Casino.
Unter schattigen Bäumen lassen wir uns ermattet auf Bänken nieder, nehmen Ess- und Trinkbares zu uns und füttern Fische mit Brötchenresten im nahegelegenen Bassin. Heim zu fahren wir zwei Stationen mit dem Zug. Das Wageninnere ist total chic, und über Lautsprecher ertönt angenehme Musik. So eine Fahrt könnten wir noch länger genießen. In Cascais kehren einige kurz in eine Eisdiele ein, um ein Erfrischungsgetränk zu sich zu nehmen. Der Rest der Truppe sehnt sich nach dem Pool. Ich selbst bin so k.o., dass ich mich ins Bett lege.
Zum Abendessen finden wir in der Stadt ein Straßenrestaurant mit deutschsprechendem Personal. Unter schattenspendenden Bäumen lassen wir uns nieder. Auch hier will man uns gleich die berühmte Vorspeise servieren. Bestens vorgewarnt, lehnen wir sofort ab. Die Kellner sind sehr freundlich und humorvoll, und es gibt viel zu lachen. Das Essen ist preisgünstig und schmeckt auch gut. Richtig gesättigt und zufrieden spazieren wir langsam zum Hotel zurück. Nach dem heutigen, langen Wanderweg freuen wir uns auf die Nachtruhe.

Montag, 17. September
Nach Frühstück und Andacht  fahren acht Leute von uns mit dem Zug nach Lissabon, um schon mal einige Ziele auszukundschaften. Christel, Emil, Adelgund und ich bleiben am Ort. Während sich Emil am Pool sonnt und liest, bummeln wir drei Frauen durch den Ort, entdecken wunderschöne Villen, Schaufenster, beobachten das Treiben am Hafen und laufen zurück, um uns am Pool zu erholen. Allmählich wird es dunkel, und unsere Lisboa-Pilger sind noch immer nicht an Land. Wir machen uns echt Sorgen, ob ihnen was zugestoßen sei. Jeder rätselt vor sich hin. Ich bete für sie, dass sie doch heil bei uns ankommen mögen. Endlich tauchen die ersten auf, alle weiteren folgen. Gott sei Lob und Dank. So ein Ausflug, um die Gegend zu erkunden, braucht schon seine Zeit. Das sehen wir ein, aber die Sorge war größer. Da es zu spät ist, um nochmals in die Stadt zum Essen zu gehen und die Lieben auch zu k.o. sind, nehmen wir in unserem Hotel eine Kleinigkeit zum Abschluss des Tages zu uns.
Dienstag, 18. September
Frühstück und Andacht haben wir hinter uns. Nun fahren wir alle mit dem Zug in Richtung Lissabon, bis  Belem. Wir besuchen dort das Denkmal der Eroberer und machen aus allen Richtungen Aufnahmen, weil es wunderbar und gewaltig gestaltet ist.

Mit der Straßenbahn fahren wir von hier aus bis Praca do comercio. Bei der Banco to Portugal  tauschen wir ohne Gebühren DM gegen Escudos um. Dann fahren wir mit der Straßenbahnlinie 28 durch die Alfama, dem ältesten Stadtteil Lissabons. Danach gehen wir ein Stück zu Fuß, um die Gegend besser in Augenschein nehmen zu können. An einem Aussichtspunkt lassen wir uns ein Eis schmecken. Abwärts laufend suchen wir die Bushaltestelle. Sie zu finden, ist wegen der schlechten Beschilderung, gar nicht so einfach. Nachdem wir sie gefunden haben, fahren wir mit dem Bus Nr. 37 zum Castelo Sao Jorge hoch.

Die engen Gassen, Winkel und Kurven erfordern vom Busfahrer echtes Fahrgeschick. Manchmal halten wir fast den Atem an, meinen, gleich müsse es krachen, gegen eine Hauswand oder in ein Auto. Gott sei Dank kommen wir oben heil an.

Von hier oben haben wir einen super Blick auf die Stadt Lissabon und den Fluss Tejo. Wir entdecken sogar den berühmten Elevator, der leider nicht voll im Betrieb ist. Wir beugen uns über die  Mauer, sehen am Abhang schmucke Häuschen mit winzigen Gärten. Mit viel Liebe und Geschick haben sich die Besitzer hier ein Kleinod geschaffen. Auf dem Gelände der Burg gibt es Ausstellungen, Museen, Restaurants, kleine Verkaufsstände, runde aus Stein gefertigte Tische.

Ein Tisch animiert mich zu mimischer Darstellung. Es ist herrlich, wie unsere Truppe gleich darauf anspringt. Jeder kramt etwas aus seiner Tasche: Flasche, Becher oder andere brauchbare Dinge. Sogar Viktor beteiligt sich an dem Spaß. Das "Gelage" kann beginnen. Nach dieser Vorstellung gehen wir durch eine parkähnliche Anlage mit lustigen Figuren, spielenden Kindern, speisenden Leuten zur Bushaltestelle zurück. Wieder geht es ruckelnd und zuckelnd durch die engen Gassen, auf holprigem Untergrund. In einem Tempo rast der Fahrer durch die Gegend, dass wir uns laut bemerkbar machen. Der Fahrer hat seine helle Freude an uns. Zum Glück kennt er sich hier bestens aus und bringt uns heil zum Platz FIGUERA. 

Von hier fahren wir mit der Metro bis zur Station ROSSIO.Das EXPO-Gelände am Bahnhof ORIENTE hat es uns angetan. Zeitlich schaffen wir keinen Gang über das Gelände, doch der Eingangsbereich ist schon sehenswert. Viele kleine Geschäfte sind hier angesiedelt, Flaggen aller Nationalitäten sind gehisst. Stühle stehen zum Verweilen im Freien und überdacht bereit, die wir natürlich gleich in Besitz nehmen und von hieraus einen guten Blick aufs Gelände haben.

 Ein deutsches Ehepaar spricht uns an. Es wohnt in Portugal. Der Sohn hat in der Nähe Hannovers, in der Wedemark ein Restaurant. Wir bekommen seine Adresse, um Ihm Grüße von seinen Eltern auszurichten. Klaus macht von den Eltern ein Foto, damit der Sohn uns glaubt. Nach einem guten Gedankenaustausch verabschieden wir uns, um zur Metrostation zu gehen. Unsere U-Bahn hält. Sie ist gerammelt voll. Das Einsteigen geht nur langsam voran. Zwischen mir und Klaus drängelt sich ein junger Mann. Sein Verhalten, seine vibrierenden Bewegungen machen mich stutzig. Er ist gerade dabei, seine flache Ledermappe schützend vor seine rechte Hand zu buxieren, um in Klaus‘ Hosentasche nach der Geldbörse zu greifen. Reflexartig haue ich die Mappe weg, er bückt sich, hebt sie von der Erde auf, und wie der Blitz verschwindet er. Schon setzt sich die Bahn in Bewegung. 

Gott sei Dank ist Klaus vor dem Diebstahl bewahrt worden. Ganz aufgeregt berichte ich unserer Gruppe, was ich soeben erlebt habe. Jetzt achten wir noch mehr auf unsere Sachen. Dankbar zurückgekehrt, essen wir wieder im Straßenrestaurant. 

Mirko schenkt Yvonne drei Rosen und bemerkt schmunzelnd: „wir sind heute 333 Tage verheiratet“. Das ist aber eine nette Geste und originell dazu!  Auf dem Weg zu unserem Hotel plaudern wir noch angeregt über unsere Tageserlebnisse.

Mittwoch, 19. September
Der Tag steht jedem zur freien Verfügung. Adelgund, Christel, Klaus, Lisa und Mirko  fahren mit dem Bus zum westlichsten Punkt des europäischen Festlandes nach Cabo da Roca. Nach ein paar Schritten stehen wir am großen Wasser, vor dem großen Obelisk. Unser Blick richtet sich über den Atlantik nach Amerika, das für uns aber unerreichbar scheint. Viele Menschen kommen und gehen. Ich kontakte mit russischen  Frauen. Sie freuen sich, dass ich sie sogar in ihrer Heimatsprache  anspreche. Gute Wünsche hin und her, dann spendiert uns Klaus im Restaurant Getränke und Hot Dogs. Um 15:00 Uhr bringt uns ein Bus zurück. Yvonne war zum Shopping, alle anderen Lieben erholten sich am Pool. Wir  Westpointe-Fahrer  hatten auch noch genug Zeit zum Relaxen. Im Laufe des Tages stellte Viktor fest, dass aus seiner Umhängetasche das gute Portemonnaie mit 20 DM, die Chequekarte und der Personalausweis geklaut wurden. Da er die Umhängetasche seit der Metrofahrt nicht mehr benutzt hat, vermuten wir stark, dass der Diebstahl  in der Metro stattfand. Wenn wir uns auch nicht viel davon versprechen, raten wir ihm, bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Zu Abend speisen wir wieder bei den freundlichen Kellnern. Um 22 Uhr spazieren wir zum Hotel ; denn es ist  Schlafenszeit.

Donnerstag, 20. September
Nach dem Frühstück und der Andacht packen wir unsere Koffer, erledigen alles Notwendige an der Rezeption; denn heute geht es auf die Insel MADEIRA. Wir sind ganz gespannt, was uns hier erwartet. Drei Taxis fahren vor, auf die wir uns verteilen. Man bringt uns zu der Haltestelle, von der der Flughafenbus abfährt. Es ist schon kurios: Jeder Taxifahrer verlangte einen anderen Preis. Einer wollte 1030 Escudos, einer nahm 1080 und der dritte 1100. Andre Länder, andre Sitten. Um 13:00 Uhr bringt uns der Bus zum Flughafen. Das Einchecken beginnt. Emil legt unaufgefordert sein Taschenmesser aus der Hosentasche in eine Schale. Daraufhin werden die Kontrolleure hell wach, zumal Taschenmesser zu befördern verboten ist. Sie nehmen Emil zur Seite. Das große Rätselraten beginnt, was sie wohl tun werden. Es dauert und dauert. Keiner der Leute kann Deutsch.

Da springt Mirko mit seinen Englischkenntnissen ein. Während wir eiligst zum Flugzeug müssen, bleibt Mirko treu bei Emil. Christel ist verständlicherweise total aufgeregt. Als die Abflugzeit ran ist, werden auch wir unruhig.  Ich bete einfach zu Gott um Beistand. Der Steward kommt, ich rede mit ihm. Er beruhigt uns und lässt uns wissen, dass das Flugzeug erst abfliegt, wenn alle an Bord sind. Der dritte Bus hält am Flugzeug. Unsere beiden Lieben steigen aus. Schnell ins Flugzeug, und ab geht‘s. Wir atmen auf und danken Gott, dass wir alle wieder beisammen sind. Danke, HERR, für die Gebetserhörung! Mirko ist total geschafft. Ich danke auch ihm für seinen Einsatz. Emil schweigt. Was er fühlt wissen wir nicht. Bestimmt leidet auch er innerlich. Gegen 17:30 Uhr landen wir auf Madeira. Die Reiseleiterin empfängt uns mit einem  Plakat in der Hand, auf dem steht: Gruppe Almeroth. Ein Minibus bringt uns in ca. 30 Minuten zum Hotel. Unterwegs erklärt uns die Reiseleiterin Einiges.
Im Hotel angelangt, werden wir begrüßt, Formalitäten erledigt und auf die verschiedenen Zimmer in der 3. Etage verteilt. Nach dem Erfrischen und Umkleiden treffen wir uns zum Abendessen. Hier haben wir Halbpension gebucht. Ein Büfett ist angerichtet, reichhaltig und gut. Mirko informiert uns über Sehenswertes. Den Rest des Abends verbringen einige mit einem Spaziergang, z. B. Vater und Sohn, einige lesen oder sehen fern.

Freitag, 21. September
Um 8:30 Uhr ist Frühstück angesagt. Die Andacht verlegen wir auf den Abend, weil uns bald ein Bus zu einem Empfangsgespräch in anderes Hotel bringt. Wir haben alle schlecht geschlafen: ungewohnte Betten, anderes Klima und das laute Tosen der Meereswogen. Um 13:15 Uhr  nehmen wir an einer Stadtrundfahrt teil. Zunächst fährt uns der Bus hinauf nach Monte, um die berühmte Wallfahrtskirche zu besichtigen. Von der Bushaltestelle müssen wir noch ein paar Meter höher steigen. Je höher wir kommen, umso nebliger wird es. Wir können kaum noch etwas erkennen. Hier oben in Monte befindet sich auch die berühmte Korbschlittenstation. Man kann mittels des Korbschlittens bis fast runter in die Stadt gelangen. Aber bei dem miesen Wetter läuft nichts. 
Der Bus bringt uns  runter in die Stadt, wo uns strahlende Sonne empfängt. Alle Teilnehmer werden nun in die Markthalle geschleust. Wir staunen über das reichhaltige Warenangebot, laufen von Stand zu Stand und entdecken den farbenprächtigen Blumenstand. Das ist eine echte Augenweide: Strelizien und andere Blumen erfreuen unser Herz. In einem Weinkeller können wir verschiedene Weinsorten probieren. Wer will, kann sogar Wein kaufen. Am Verkaufstresen herrscht Massenandrang. Die Verkäufer bewegen sich im Schneckentempo, so dass unsere Geduld arg strapaziert wird. Wir geben auf, in der Hoffnung, auch in anderen Geschäften Wein zu bekommen.

Weiter geht es in die nahegelegene Seidensticker-Manufaktur. Schmale, knarrige Stufen müssen wir hinaufsteigen. Hier können wir Frauen und Männern bei der Arbeit zuschauen, wie Decken, Läufer, Schürzen u.a. mit wunderschönen Motiven gefertigt werden. Die Preise sind aber auch entsprechend saftig. In einem Raum war es recht finster, so dass Emil eine Stufe nicht erkennen konnte, und er stürzte. Wir hatten große Sorge, dass er sich etwas gebrochen hätte und seine Prothese kaputt ist. Er hatte einen wahren Schutzengel. Gott sei Lob und Dank, es ist absolut nichts passiert. Wir stellten ihn auf die Beine, und es konnte weiter gehen. Tapfer, tapfer, der Junge! 
Nach dieser Besichtigung fuhr uns der Bus zurück zum Hotel. Eigentlich hatten wir uns für den Preis ein bissel mehr von der Stadtrundfahrt versprochen. Aber wir haben ja noch genug Zeit, die Stadt auf eigene Faust zu entdecken. Um 19 Uhr treffen wir uns zur Andacht, nehmen danach unser Abendessen ein und verbringen den Rest nach eigenen Wünschen.
Samstag, 22. September
Wie schön ist es, besonders für die Hausfrauen, sich an den gedeckten Tisch setzen zu können, einfach ans Büfett zu gehen, um sich leckere Sachen auf den Teller zu legen. Gestärkt durch Gottes Wort und das Frühstück, begeben wir uns an den Pool und gehen zum Strand runter. Die Wellen des Atlantik klatschen gewaltig gegen unsere Beine. Nur nicht zu weit in Wasser wagen, sonst reißen uns die Wellen  mit. Wir haben jedenfalls viel Spaß miteinander.
Christel und Emil bleiben am Pool, Mirko und Yvonne stromern durch die Gegend, und der Rest der Truppe spaziert in Richtung Stadt. Ab der 3. Haltestelle benutzen wir einen Bus in Richtung Funchal. Im "Marina-Shopping" kaufen wir ein, bummeln durch andere Geschäfte und spazieren entlang der Uferpromenade. Die Sonne meint es so gut mit uns. Da macht das Bummeln doppelt Spaß. Zum Abendessen sind wir wieder in unserem Domizil. Christel und Emil berichten, dass auch sie einen kleinen Spaziergang unternommen haben. Da der Hoteleingang wirklich recht tief unterhalb der Straße liegt, fanden sie das Hotel nicht mehr. Da kommt schon ein bissel Panik auf. Zum Glück konnten ihnen Spaziergänger den Weg zeigen. 

 

Nach dem Abendessen sitzen wir gemütlich am Pool bei Musik und guter Laune. Besonders Erika hat immer etwas Nettes auf Lager, das uns zum Lachen bringt. Ihr Fröhlichsein reißt uns richtig mit.
Sonntag, 23. September
Gut geschlafen, gesättigt und mit Gottes Wort beschenkt, beginnt ein neuer Tag. Mirko, Yvonne, Christel, Klaus und ich fahren in die Stadt bis zum kleinen Stadtpark.  Er  ist  wirklich  schön gestaltet. Danach geht es mit der Seilbahn nach Monte hoch. Heute haben wir eine sehr gute Sicht. Wir schweben über den Dächern der Stadt, schauen auf Häuser, Balkone, Terrassen, entdecken hier und da wunderschöne, kleine Gärten. Selbst Christel findet Gefallen daran. Sie wird immer mutiger.

Oben angekommen, steigen Klaus und ich in einen Korbschlitten. Gerne hätten wir Christel mit-genommen, aber das war ihr doch zu gewagt. Mirko filmt uns kurz beim Einsteigen, dann übernimmt Klaus die Kamera und ab geht die Fahrt, begleitet von zwei Männern, die die Richtung halten und wenn nötig bremsen. Ab und zu schmieren sie die Kufen und fragen nach, ob uns die Fahrt gefällt. Trotz mancher Unebenheiten, wir sind begeistert!

Ja, es ist ein fantastisches Gefühl, in Windeseile nach unten, fast bis in die Stadt zu gelangen. So schön hatte ich es mir nicht vorgestellt. Ein echtes Erlebnis! Inzwischen sind auch Mirko, Yvonne und Christel mit der Seilbahn zurückgekehrt. Wir treffen uns im Straßencafe bei McDonalds. Pommes frites, Mc.Nuggets und Cola nehmen wir zu uns.

Nun fahren wir mit dem Bus zum Botanischen Garten, der oberhalb der Stadt liegt. Wunderschöne Anlagen mit Blumen, Bäumen und Sträuchern, ja, sogar bunte Vogelarten können wir hier bestaunen.  Auf einer Bank ruhen wir uns ein wenig aus, begeben uns dann langsam zum Ausgang. Bis dahin  entdecken  wir noch viele für uns seltene Pflanzen. Per Bus fahren wir zum Hotel. Unsere Füße sehnen sich nach Entspannung und Abkühlung, die wir ihnen im Pool zukommen lassen. Hier treffen wir alle unsere lieben Freunde an. Auch sie spazierten durch den kleinen, gemütlichen Park in der Stadt. Und wieder geht ein erlebnisreicher Tag zuende.
Montag, 24. September
Mit gutem Frühstück und Gottes Wort gestärkt, fahren wir mit dem Bus Nr. 29  bis kurz vor Camancha. Klaus hatte einen  Ausgangspunkt für die Levada-Wanderung ausgesucht. Mit dem Busfahrer spricht er ab, dass er uns an der betreffenden Stelle absetzt. Wie wir im Nachhinein feststellen, hat er uns an der falschen Stelle rausgelassen, so dass wir noch eine ganze Strecke bergan kraxeln müssen. Jubel, Jubel, wir entdecken dann einen „Einsteig“. Auf geht’s mit neuem Elan entlang dieser Levada auf gut begehbarem Weg. Bäume und Sträucher schützen uns vor der Sonne. Es macht richtig Spaß. Ab und zu halten wir inne, um unsere Umgebung zu genießen, um uns an der Pflanzenwelt zu erfreuen. Bald stehen wir vor einem Tunnel, der auf der Wanderkarte eingezeichnet ist. Mit Taschenlampen könnten wir ihn durchschreiten, aber daran fehlt es uns. Der Sicherheit halber entschließen wir uns, den Tunnel zu umgehen. D.h. allerdings, eine Anhöhe zu erklimmen, den matschigen Weg, etliche Baumwurzeln  und ein wenig Gestein in kauf zu nehmen. Für Emil könnte es ein Problem sein. Wir wollen ihn stützen, aber er will sich absolut nicht helfen lassen. Ehe wir gedacht, liegt er auch schon längs. Die Männer stellen ihn auf die Beine. Wieder hatte er einen Schutzengel. Alles ist okay. Jetzt lassen wir ihn nicht alleine weiterkraxeln. Einer fasst ihn bei der Hand, ein anderer hält ihn an seinem Hosengürtel fest. Puuuh, es ist geschafft! Gratulation Emil, für deine Tapferkeit.

Aber wo ist der Tunnelausgang, die Fortsetzung der Levada? In welche Richtung müssen wir? Ein Trupp Kinder taucht auf. Sie weisen uns den Weg. Zur Belohnung bekommen sie ein paar Escudos. Mutig wandern wir weiter, der Levada immer auf der Spur. Hunde bellen. Eine Frau gibt uns zu verstehen, sie könnten beißen. Sie zeigt uns sogar die Narben an den Beinen der Kinder. Die Kinder sollen uns einen anderen Weg zeigen. Ist das Berechnung? Wir lassen uns nicht darauf ein und laufen tapfer weiter. Endlich ist eine Ortschaft in Sicht. Hier vermuten wir die Korbflechterei, die wir besichtigen wollen. Wieder fragen wir Kinder. Sie erklären, dass wir nach Camacha noch weiter hoch laufend müssen, und da finden wir schließlich, was wir suchten. Emil, Christel, Adelgund und ich fahren mit dem Taxi bis vor die Korbflechterei. Hier gibt es endlich eine Sitzgelegenheit. Nach etwa 20 Minuten kommt auch der Rest der Truppe. Wir sind erleichtert, wenn auch restlos geschafft. In einem kleinen Restaurant stärken wir uns erst einmal. Im Nebenraum sind auch schon die Korbflechtarbeiten zu besichtigen und zu kaufen. Die Preise sind gewöhnungsbedürftig, aber ein kleines Andenken nehmen wir dann doch mit. Zu gerne hätten wir bei den Korbflechtarbeiten zugesehen, doch das war uns nicht vergönnt. Schade! Vielleicht kamen wir zum ungünstigen Zeitpunkt. Immerhin hatten wir bei der Levada-Wanderung ein Ziel, und das erreichten wir. Zurück zu nehmen wir, wie geplant, den Bus. Dankbar und wohlbehalten erreichen wir unser Hotel. Rückblickend stellen wir fest: Diese Wanderung war trotz Anstrengung spannend, ein bissel aufregend und wunderschön; denn wir haben wieder eine uns fremde Gegend kennengelernt. Nach dem Abendessen haben wir nur noch einen Wunsch: Ins Bett und alle Viere von uns strecken.
Dienstag, 25. September
Für heute haben wir die sogenannte Westtour gebucht. Auf dieser Fahrt sind mehrere Stops eingeplant an den Stellen, wo es besonders schön sein soll. Nach dem Frühstück geht die Tour los. Zuerst fahren wir zu  den Aussichtspunkten Camara do Lobos, Cabo Girao (höchste Steilküste Europas, 590m), Ribeira Brava und Ponta do Sol.

Wir  pausieren kurz und besteigen einen kleinen Turm, um das Meer und den Ort  zu beäugeln. Hier soll Kolumbus bei einem Freund zu Gast gewesen sein. Der Ort lebt hauptsächlich von den  Bananenplantagen, aber auch Strelitzien und Zuckerrohr werden angebaut.

Weiter geht es über das Hochmoor Paúl da Serra. Es ist eine karge Hochebene, für Madeira ganz ungewöhnlich. Ein kurzer Trip entlang der Levadas bei Rabacal  wird uns ermöglicht. Weiter  geht es nun zum entferntesten Punkt, nach Porto Moniz. Hier finden wir die berühmten  Naturschwimmbecken, die durch die natürliche Brandung des Atlantiks gespeist werden.

Wir sind von dieser Anlage ganz fasziniert. Die Schwimmbecken sind eingebettet in Lavafelsen. Am liebsten würden wir hier länger verweilen und uns sogar in diesen  Fluten  tummeln.  Entlang  der  wildromantischen  Nordwestküste gelangen wir nach Sao Vicente, wo wir in einem netten Restaurant ein reichhaltiges und schmackhaftes Mittagessen serviert bekommen.

Gegenüber dem Restaurant schauen wir uns die kleinen Verkaufsstände an. Viel Brauchbares ist nicht dabei. Ein paar Fotos werden gemacht,  und schon geht die Fahrt weiter durch eine Schlucht, eine Brücke, vorbei an Wasserfällen. Ganz berühmt ist der Brautschleier-Wasserfall. Wir durchfahren den sieben Fenster Tunnel, vorbei an der Fatima-Kapelle mit Turm. Die Boca da Encumeada ist die Passhöhe, die das südliche Ribeira Brava mit dem nördlichen Sao Vicente verbindet.

Sie liegt 1007 m hoch. Gleich erreichen wir auch eine Aussichtsterrasse, die wir unbedingt
 
noch erklimmen wollen. Von hier hat man einen herrlichen Rundumblick auf das Inselpanorama. Einige  von  uns  bleiben  auf  halber  Höhe  stehen;  denn  noch  höher hinauf ist  einfach zu viel für heute. Hier gibt es sogar Bänke und Tische, wohl zum Ausruhen gedacht. Die scheinbar Entkräfteten  wagen es dennoch, sich auf einem der Tische zu postieren. Etwa doch neugierig auf die schöne Umgebung? Sie geben so ein prächtiges Bild ab, dass man einfach ein Foto machen muss. Unsere Zeit ist um, der Bus wartet an der Straße. Es geht abwärts. 

Friedrich rast unaufhaltsam. Er meint: „Es ist so, als hätte ich einen Gang eingelegt. Wenn ich anhalten will, muss ich erst auskuppeln“.  Unten an der Straße angelangt, kommt er glücklicherweise zum Stehen. Adelgund hält ab und zu inne, um alles in sich aufzunehmen. Sie gibt auch einen netten Kommentar: „Ich habe mir was zurecht geguckt.“ Über den bereits erwähnten Encumeada-Paß bringt uns der Bus zurück nach Funchal.  Um 19:30  Uhr treffen wir uns zur Andacht. Wir danken für diesen wunderschönen, erlebnisreichen Tag, für alle Bewahrung und nicht zuletzt für den strahlenden Sonnenschein. Nach dem Abendessen lassen wir den Tag langsam ausklingen, jeder wie er mag, entweder am Pool die Abendstimmung genießen oder auf dem Zimmer  entspannen.
Mittwoch, 26. September
Nach Frühstück und Andacht fahren wir mit dem Bus nach Funchal zum Shopping, halten Ausschau nach kleinen Mitbringseln für die Lieben daheim und bummeln noch einmal auf der Promenade entlang  mit Blick auf den Atlantik. Mit dem Bus geht‘s zurück zum Hotel. Die Koffer werden gepackt, alles Nötige erledigen wir an der Rezeption, das letzte Abendessen wird eingenommen, und dann sitzen wir noch einmal am Pool bei Folklore-Musik beisammen, nehmen Abschied vom Atlantik, Abschied von der schönen Insel.

 

 

Donnerstag, 27. September
Abreisetag. Es ist soweit. Um 10:30 Uhr startet unser Flugzeug in Richtung Lissabon. Von hier geht es um 12:50 Uhr weiter bis Brüssel. In der Wartehalle haben wir noch eine Stunde Zeit, um mit Mirko und Yvonne zu plaudern. Ab Brüssel trennen sich unsere Wege. Um 17:40 Uhr fliegen wir nach Hannover, die beiden  nach Düsseldorf. Aufgrund der Vorkommnisse in New York am 11.September, waren die Kontrollen beim Einchecken besonders streng, wofür wir natürlich volles Verständnis hatten. Schließlich wollen wir alle heil und wohlbehalten zu Hause ankommen. Hannover hat uns wieder!  Wir freuen uns nun auf unser Zuhause.