Altkarbe / Pommern

August 2001

Aus dem Reisetagebuch von Lisa Almeroth

Montag, 20. August
Es soweit - mein sehnlichster Wunsch geht endlich in Erfüllung; ich fahre mit Klaus in meine alte Heimat, in meinen Geburtsort Altkarbe – heute „Stare Kurowo“. Um 9 Uhr fährt der Zug von Hannover nach Berlin-Ostbahnhof. Von hier geht‘s mit der S–Bahn bis Lichterfelde. Umsteigen in den Zug nach Kostrzyn. Von dort fahren wir im Doppelstockzug bis Landsberg (Gorzow Wlkp.), wo wir ein Hotelzimmer gebucht haben. Um 14:30 Uhr sind wir am Ziel.

Wir laufen zu Fuß zum Hotel „Mieszko“. Auf diese Weise lernen wir gleich den Weg zum Bahnhof kennen. Eine Englisch sprechende Dame begrüßt uns in der Rezeption, überreicht uns den Zimmerschlüssel mit der Nr. 514, und ab geht es mit dem Fahrstuhl in den 5. Stock. Unser Zimmer ist freundlich und sauber. Unsere Sachen räumen wir in den Schrank ein, machen uns frisch und bummeln durch die Stadt.
Wir gelangen zum Basar, fahren mit der  Straßenbahn  weit raus, gehen an die Warthe, beobachten dort einen Angler und zurück geht es per Straßenbahn in die Stadt. Hier besichtigen wir die Marienkirche, kaufen in einem gepflegten Lebensmittelladen Getränke ein und gehen durch die wunder-schöne Parkanlage zurück zum Hotel. In unserem Zimmer machen wir es uns gemütlich, danken Gott für die Bewahrung und den reibungslosen Verlauf der Fahrt nach Polen. Wir stärken uns an Brötchen und Obst von zu Hause, schauen uns die Nachrichten im ZDF an und legen uns zur Ruhe. 

Dienstag, 21. August
Wir haben sehr gut geschlafen.  In der Nacht regnete es, so dass die Luft heute morgen angenehmer ist. Um 8:45 nehmen wir unser Frühstück ein und halten danach unsere Andacht. Auf dem Weg zum Bahnhof  kaufen wir eine Telefonkarte. Im Bahnhof lösen wir Fahrkarten nach Stare Kurowo. Um 11:45 fährt der Zug nach Altkarbe.  Die Sonne scheint! Es ist richtig tolles Wetter. Kurz vor Altkarbe bin ich doch innerlich sehr bewegt. Ich bete, dass mir der Herr die nötige Ruhe schenken möge, dass ich nicht in Tränen ausbreche, wenn ich nach 56 Jahren vor meinem Elternhaus stehe. In Gedanken stelle ich mir einfach vor, dass ich als Touristin hierher gekommen bin, die etwas Neues kennen lernen will. Und bald werde ich innerlich ganz ruhig. Stare Kurowo ist erreicht.

Wir steigen aus, gehen ins Bahnhofsgebäude, um alles in uns aufzunehmen. Der Anblick erschrickt uns. Innen ist alles ist verwahrlost, verdreckt, stinkig. Schalterbedienung gibt es nicht mehr. Nur raus an die frische Luft! Plötzlich ist mir alles wieder vertraut, mein Herzel hüpft vor Freude. Ich überlege kurz, wo wir mit unserer Entdeckungstour beginnen. Ich entscheide mich für die rechte  Seite. Klaus begleitet mich mit der Videokamera. Ab und zu wird auch ein Foto gemacht.

Zuerst  entdecke ich den ehemaligen Gasthof Zellmer. Das Gebäude  ist nur noch als Wohnhaus genutzt. Gleich folgt das Postgebäude, ist noch als solches  existent.   Fast gegenüber ist das  ehemalige Textilgeschäft Rindtorf. Die Schaufenster wurden verkleinert, äußerlich nicht mehr so hübsch anzusehen.  Am Ende der Straße rechts an der Ecke existiert noch die alte Fleischerei Liebenau. Die Kachelwände sind noch in altem Zustand.  Kurz danach war unser Kino. Es wurde abgerissen, wohl altersschwach. Ein neues Gebäude ist im Entstehen. Unser Weg führt uns zur Eisdiele der Familie von Wicki. Nix mehr mit Eisdiele. Das Geschäft hat man zu Wohnraum umgebaut. In der Nähe dieses Hauses entdecken wir ein  Kartentelefonhäuschen. Wir rufen Edelgard und Christel an. Edelgard ist ganz bewegt, als ich ihr berichte von wo aus ich anrufe.

Dann spazieren wir die Hauptstraße entlang, biegen rechts ab, gelangen zum ehemaligen Kindergarten und zum Gemeindeamt. In letzterem war unser Vati tätig. Beide Gebäude sind heute auch Wohngebäude. Edelgard lernte im Kindergarten bis zur Flucht den Beruf der Kindergärtnerin. Ab und zu war ich dort als Kind, büxte aber oft aus, weil die Leiterin zu grausam war. Am Gemeindeamt befindet sich der Eingang zum Schwimmbad. Kurz davor sitzen polnische Kinder unter einem Baum auf der Bank und begrüßen uns strahlend in Deutsch mit „Guten Tag“. Scheinbar sahen sie uns an, woher wir sind. 
Das Bad ist geöffnet, Kinder tummeln sich in der dreckigen Pfütze. Ich bin traurig und erschreckt zugleich, was aus dem wunderschönen modernen Bad geworden ist. Alles ist total vernachlässigt, verdreckt, verunkrautet und schäbig, die Anlagen sind verändert worden.

Am Waldrand entlang gehen wir zu dem See, den Vati gepachtet hatte und zu dem er mich oft zum Angeln  auf einem Floß mitnahm. Als Kinder hielten wir uns gerne dort auf, fingen winzige Frösche, die sich in kleinen Pfützen auf dem feuchten Waldweg tummelten, und  setzten sie gleich wieder ins Wasser zurück . Ich habe Mühe, diesen See zu finden; denn auch er  ist von Unkraut, ungepflegten Sträuchern und Büschen  überwuchert, der Zugang ans Ufer durch einen Zaun versperrt. Schade, ich wäre zu gerne am See entlangspaziert. Zu meiner großen Freude entdecke ich wie in Kindheitstagen winzige Frösche in den Pfützen. Vorsichtig nehme ich einen Minifrosch auf meine Handfläche. Ich fühle mich in meine Kindheit zurückversetzt und bin glücklich wie ein Kind. Ein kleiner, flinker  Hüpfer und das Fröschlein sucht das Weite. Unweit des Sees standen damals landwirtschaftliche Gebäude, die von jüdischen Bürgern bewirtschaftet wurden. Bis auf einen Ziegenstall  ist alles abgerissen.

Wir laufen zurück zur Hauptstraße. Zur Rechten steht das Haus der Familie König, in dem sie einen Kolonialwarenladen hatten. Ab und zu hatte Mutti mich dorthin zum Einkaufen geschickt. Das Geschäft existiert nicht mehr. Es ist zu Wohnraum umgebaut worden. Über die “Fließbrücke“ gelangen wir in den Schmiedeweg, laufen am Fließ entlang, um Wasser zu entdecken. Als Kinder ließen wir auf dem Fließ immer kleine Stöcke und unsere Holländerschuhe  schwimmen. Aber vom Wasser ist nichts zu sehen, erbärmlicher Gestank begleitet uns. Das Unkraut überwuchert das  Bächlein, alle Romantik ist dahin. Linksseitig ist das Wohnhaus der Familie Otto als Verwaltungsgebäude super renoviert. Vorbei an Nötzelts Grundstück biegen wir links in den Siedlungsweg ein. Fünf Gebäude auf der linken Seite, rechts vier Gebäude, wovon eins wiederaufgebaut wurde, erkenne ich sofort wieder. Nur zwei davon hat man frisch mit weißer Farbe gestrichen, alle anderen Häuser  sehen erschreckend aus.

Trotzdem – ich bin daheim, 

stehe vor meinem Elternhaus 

und glaube zu träumen. 

Ich bin bewegt und glücklich

zugleich.

Wie ein nasser Schwamm komme ich mir vor, sauge alles in mich auf, was ich entdecken kann. Ich schreite den Gartenzaun entlang, immer wieder auf dem Zaun lehnend, als könne ich mich nicht satt sehend. Meine geliebten  Birken im Vorgarten sind nicht mehr da, Bäume und Sträucher fehlen. 

Aber bald entdecke ich  noch eine Birke am  Gartentor und später die in der Hofecke. Der Fliederbusch ist ins Unermässliche gewachsen, unter dem ich oft mit meiner Puppe spielte. Im Herbst 1944 buddelten meine Spielkameraden mit mir den Garten um, legten die sogenannten Schützengräben an, um bei feindlichen Angriffen dort Schutz zu suchen. Diese aufgewühlten Hügel entdecke ich noch; sie sind zwar von Gras überwachsen, aber gut zu erkennen.
Am Gartenzaun entlang, dicht am Bahngraben, biege ich auf Nötzels Feld ein, um den hinteren Teil unseres Grundstückes  einsehen zu können. Jetzt schaue ich auf den Eingangsbereich unseres Hauses, der von den polnischen Bewohnern überdacht wurde. Katastrophal sieht  diese Giebelseite aus. Mir kommen fast die Tränen. Es tut mir in der Seele weh. Ob Haus oder Garten, alles ist in einem miserablen Zustand. Im Hof sehen wir ein altes Ehepaar. Wir haben nicht den Mut, es anzusprechen, zumal wir kein Polnisch sprechen. Bestimmt hatten die Leute kein Geld, um das Haus auf Vordermann zu bringen, vielleicht auch nicht die Kraft, um den Garten ordentlich zu gestalten.

Gott allein weiß es. Wie dem auch sei, ich bin trotz allem dankbar überhaupt hier sein zu können, dass sich mein langgehegter Wunsch erfüllt hat. Immer wieder inne haltend, erkläre ich Klaus  verschiedene  Dinge, bis wir uns entscheiden, weitere Wege, Straßen, Gebäude aufzusuchen. Der „Spielplatz“ zwischen unserem und Benschens Haus ist verkleinert, weil ein Teil davon unserem Garten zugeschlagen wurde. Die Obstbäume sind gerodet, der Siedlungsweg ist ungepflegt und  mit Gras bewachsen.

Weiter gehen wir den Schmiedeweg entlang, vorbei am neugestalteten Pfarrhaus bis zu Tante Gohlkes Haus. Leider ist das abgerissen, war bestimmt zu altersschwach. Ein neues Haus ist im Entstehen. Während Klaus filmt, spricht uns eine polnische Frau an. Ich kann mich mit ihr in Russisch ein bissel verständigen, erkläre ihr, warum wir hier sind. Sie lädt uns zu sich zum Kaffee ein, was wir dankend annehmen.

Zum Glück haben wir eine große Schachtel Bahlsen-Keks dabei, die wir anbieten können. Schnell finden sich eine Nachbarin, zwei Enkelkinder, der Sohn und die Schwiegertochter ein. Letztere ist Lehrerin und spricht gut Russisch, so dass wir uns toll verständigen können. Sie fungiert als Übersetzerin ins Polnische, und auf diese Weise haben wir einen angeregten Gedankenaustausch.

Bald wollen wir weiter zur Schule und zur Kirche. Wir tauschen Adressen aus, bedanken uns für die nette Gastfreundschaft und begeben uns  weiter auf Schusters Rappen. Über eine kleine Fließbrücke  betrete ich meinen früheren Schulweg und stehe schon bald vor der damals sehr modernen Schule, vor dem Haupteingang, der leider verbarrikadiert ist. Der Schulgarten  ist gewichen, so dass wir am Schulgebäude  entlanglaufen könnnen. Wir entdecken einen Neuanbau und den neuen Eingangsbereich ins Schulgebäude. Schick sieht  alles aus. Endlich mal ein positiver Anblick ! Durch die Fenster kann ich in meinen damaligen Klassenraum schauen.  Begeistert rufe ich: „Guck mal Klaus, da hat dein Sternchen früher gesessen!“  Ach, ich bin richtig happy !

In dieser Freude spazieren wir weiter in Richtung Dorfstraße, wollen  zur Kirche, um mal ins Innere zu schauen, vorbei an Wildes Gaststätte. Auf der Dorfstraße ruft uns ein alter Herr zu sich an den Zaun. Er spricht Deutsch und bittet uns, bei sich einzukehren, seine Tochter könne richtig Deutsch sprechen. Sieht man es uns wirklich an, dass wir aus Deutschland kommen? Wir benehmen uns doch ganz unauffällig.  Wie dem auch sei. Wir erzählen ihm von unserem Ziel und dass die Kirche nur kurz geöffnet hat. Wir kämen auf dem Rückweg zu ihm. „Aber bestimmt wieder kommen“, raunt er uns zu.

Wir überqueren die Ostbahngleise und stehen auch schon vor dem Eingang der Kirche. Ein Blick ins Innere sagt uns, dass heutzutage eine katholische Kirche darin Einzug gehalten hat. Der übliche Prunk ist nicht zu übersehen. Im Vorgarten steht eine Marienstatue. Das Gebäude selbst erstrahlt noch im alten „Glanz“. Es blieb, wie die meisten Häuser, beim Einmarsch der Russen 1945 verschont.  Wir umrunden die Kirche, vorbei an Opa Krügers Haus. Bei Opa Krüger war ich als Kind öfter zu Gast.

Dann faszinierte mich immer seine alte Wanduhr mit dem wunderbaren Klang. Er selbst besuchte uns auch, schlachtete unsere Kaninchen und hackte das Holz.  Das sind so kleine Erinnerungen.  Um unser Versprechen einzuhalten ,gehen wir zurück zu dem alten Herrn. Im Hof erwartet er uns schon mit seiner Tochter und dem Schwiegersohn. Herzlich werden wir in die Wohnung eingeladen. Die Tochter hat ihre guten Deutschkenntnisse von ihrer deutschen Mutter mitbekommen. Sie meinte, sie denke und fühle sogar wie eine  Deutsche. Im unteren Hausbereich zeigen sie uns Räume, in denen sie ein kleines  Geschäft eröffnen wollen. Sie sind arbeitslos, werden von Opas Rente mit durchgefüttert, und sie wollen sich auf diese Weise eine Existenz gründen.  Mobiliar, wie z.B. Tresen und Schränke, lagern bereits im Haus.
Das animiert uns dazu, ihnen  einen Obolus in die Hand zu drücken als kleinen Grundstein. Helena ist ganz gerührt, sie kriegt kaum ein Wort heraus. Gott hat uns das aufs Herz gelegt, ihm soll sie danken. Wir wollen unseren Zug von Altkarbe nach Landsberg erreichen, da der spätere nicht in Altkarbe hält. Aber alle drei protestieren, wir sollen unbedingt noch zum Abendessen und zum Gedankenaustausch  bleiben, sie rufen ihre Tochter an, die ein Auto hat und sie soll uns nach Friedeberg   zum Ostbahnhof fahren, wo der Zug hält. Also erfüllen wir ihnen ihre Bitte. Schnell steht  das Abendessen auf dem Tisch, was wir dankbaren Herzens genießen. Angeregt tauschen wir unsere Gedanken und Erfahrungen aus. Auch sie mussten  ihre angestammte Heimat verlassen. Der Russe besetzte ihre Häuser, und sie wurden auf die Straße getrieben  in Richtung Westen. So kamen sie nach Altkarbe, arm wie eine Kirchenmaus. Wir teilten das gemeinsame  Schicksal.

Es dauerte nicht lange, und die Tochter tauchte auf. Sie hat in Friedeberg einen Kosmetiksalon. Mit ihr verständigen wir uns  in Englisch und  Russisch. In ihrem chicen, neuen Wagen bringt sie uns mit Mutti zum Friedeberger Bahnhof. Drei Jahre zahlt das Mädchen schon an diesem Auto ab, aber bald hat sie es geschafft. Die Mutti will zu den jetzigen Bewohnern in unserem Haus Kontakt aufnehmen, damit wir beim nächsten Besuch  ins Haus hinein können. Schnell tauschen wir noch unseren Adressen aus,  da fährt auch schon unser Zug ein.  Herzliche Verabschiedung mit allen guten Wünschen, und ab geht es in Richtung Landsberg. Ein erlebnisreicher Tag geht zuende in dem Gedanken, morgen nochmals nach Altkarbe zu fahren. 
Mittwoch, 22. August
Nach dem Frühstück lesen wir Gottes Wort, danken dem Herrn für all seine Güte und bummeln wieder durch den schönen Stadtpark zum Bahnhof. Heute möchte ich alle meine Eindrücke von Altkarbe, von unserem Haus und Garten vertiefen und andere vertraute  Wege  aufsuchen. Vom Zug aus erkenne ich unser Haus und Grundstück.
Vom Bahnhof aus biegen wir heute links in die Straße ein, vorbei an Kuckucks  Wohnhaus und an das Gebäude, in dem 1945 die russische Kommandantur untergebracht war. Von hier gelangen wir wieder auf die Hauptstraße, biegen nach links ab in den Schmiedeweg und wieder links in den Siedlungsweg. Ganz in Ruhe  betrachte ich alles noch einmal, halte inne vor unserem Haus und Garten, verinnerliche es richtig in dem Wissen, dass es morgen nicht mehr möglich ist. Klaus löst ein Stückchen Holz vom morschen Zaun und ein Stückchen Stein aus dem  Betonpfeiler als Andenken, das er mir liebevoll überreicht.

  Wie einst in meinen Kindheitstagen laufe ich nun mit Klaus am Bahngraben entlang der Gleise bis zum Bahnhof. Unterwegs halte ich immer wieder Rückschau, vermisse auf Ottos Grundstück die Kirschbäume, auf die wir früher kletterten, um Kirschen zu naschen. Bekanntlich schmecken ja die Kirschen aus Nachbars Garten immer besser , als die im eigenen Garten. Insgesamt hat sich doch viel verändert. Am Bahnhof  überschreiten wir die Gleise in Richtung Unterfeld. Wir biegen links in die Straße ein, in der unsere Bekannten, Schuhmacher Zeiskes, wohnten. Hier waren wir  immer zum Schlachtetest eingeladen. Hmmm, gab es da leckere Sachen: Wellfleisch, Leberwurst und  Grützewurst und anderes mehr.
Nach Hause kriegten wir eine Milchkanne voll Wurstbrühe mit, aus der  unsere Mutti  etwas Schmackhaftes „zauberte“. Das waren Zeiten!! Auf einem Trampelpfad  gelangen wir zurück über die Bahngleise. Ich halte inne, betrachte die Umgebung und glaube, meinen Augen nicht zu trauen. Im Vordergrund sehe ich das Genossenschaftshaus, in dem ich das Licht der Welt erblickte. Wir pirschen uns näher ran. Ich freue mich wahnsinnig. Gleich wird es von Klaus auf die Linse gebannt. Es zu finden, war schon mein Wunsch, aber gezielt danach gesucht habe ich nicht. Unser Herr hat mir den Weg gewiesen, danke! Wieder an anderer Stelle auf der Hauptstraße angekommen, sehen wir etliche kleine Läden.

In einem sehr gepflegten Lädchen kaufen wir uns Eis und Kefir,  ruhen uns auf einer  Bank aus und erfrischen uns bei der Wärme an den Köstlichkeiten. Bald ist es soweit, dass der Zug zurück nach Landsberg fährt. Auf geht`s in Richtung Bahnhof. Die Fleischerei und Rindtorfs Haus werden noch von Klaus gefilmt. Just in dem Moment taucht ein Panjewagen mit Pferden und Fohlen auf. Das ruft einige Kinder auf den Plan. Sie streicheln die Fohlen und strahlen vor Freude. Diese Szene lässt sich Klaus nicht entgehen.
Um 15:49 Uhr fahren wir nach Landsberg zurück. Adieu, Altkarbe! Es war wunderschön, in der alten Heimat gewesen zu sein.
In Landsberg benutzen wir Straßenbahn und Bus zum Hotel zur Freude von meinem Schatz. Als Hobby–Bahner macht er Aufnahmen von Bus und  Bahn. Im Hotel ist ein deutscher Reisebus eingetroffen mit Leuten, die ihre alte Heimat besuchen. Ich komme mit einem Ehepaar ins Gespräch. Zehnmal besuchten sie  schon die jetzigen, polnischen Hausbewohner. Sie haben sogar Freundschaft geschlossen. So sollte es auch sein. Schließlich tragen wir das gemeinsame Schicksal.  Vor dem Abendessen rufen wir Mirko an . Er ist nicht erreichbar, und so hinterlassen wir auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht, dass wir gut angekommen sind.

In einem Straßenrestaurant  lassen wir uns das polnische Nationalgericht „Bigosch“ schmecken.  Zu Fuß geht es durch unbekannte Straßen vorbei an maroden und gepflegten Häusern, kaufen Trinkbares und Obst ein, gelangen zu unserem Hotel. Ein bissel schauen wir ins Fernsehen, halten Tagesrückschau und danken Gott für alle Bewahrung, für alles Erlebte.