Wandern auf Madeira

Oktober  2004

M i  r k  o   &   Y v o n n e

Wir sind zum 3. Mal auf unserer Lieblingsinsel Madeira. 

Als Hotel hatten wir das Oasis Atlantic, 14 km östlich von Funchal, ausgewählt. Es liegt direkt am Meer in Caniço de Baixo. Mit dem stilvollen Vier Sterne Hotel waren wir sehr zufrieden. Lage, Ausstattung, Zimmer, gute Mahlzeiten und der freundliche Service trugen sehr zu einem erholsamen Urlaub bei.  Wer, so wie wir, nicht immer am Abend im Hotel speisen will, findet im Ort und auch in Caniço diverse, sehr gute Restaurants. Eine Linienbus-Verbindung befindet sich direkt vor dem Hotel. Die Fahrt mit der Linie 155 nach Funchal dauert ca. 35 Minuten und ist ein echtes Erlebnis.

Da wir schon in den zwei Reiseberichten: "Hochzeitsreise 2000 Madeira" und "Portugal 2001 Lissabon und Madeira"  über die Insel berichtet haben, wollen wir Sie diesmal an fünf Wanderungen teilhaben lassen. Madeira hat uns seit  unserer Hochzeitsreise nicht nur in ihren Bann gezogen, sondern richtig in Bewegung gebracht. Die schöne Blumeninsel im Atlantik lädt geradezu zum Wandern ein. Es gibt wunderbare, unzählige Wanderwege - nicht nur an den zahlreichen Levadas entlang. Mit einem guten Wanderbuch, "Wandern auf Madeira" von Dumont und diversen Karten, hatten wir schon vor der Reise einige Wanderungen ausgewählt und uns dann  mutig und entschlossen auf den Weg gemacht. Die einzelnen Wanderungen sind in dem Buch sehr gut beschrieben, wobei die Gehzeiten wirklich reine Gehzeiten sind! Wir haben natürlich immer wesentlich länger gebraucht. Das mag bei uns ungeübten Stadtbummlern vielleicht am Alter liegen, oder aber auch an den ständigen Pausen, die wir gemacht haben. Denn all die herrlichen Eindrücke wollten wir ja nicht nur in unserem Gedächtnis speichern (die Festplatte ist nicht besonders groß und außerdem gegen Absturz völlig ungesichert) sondern auch in Bildern mit heim tragen. Also stapften wir nicht nur mit Teleskopstöcken, Rucksack, Taschenlampe, Regenjacke Sonnenbrille, Schirmmütze und Proviant los, sondern führten auch Digital- und Videokamera als Ausrüstung mit uns.

1. Wanderung:  Monte > Camacha - 11 km - 5 Std. - wunderbare Wälder - herrliche Aussichten

Mit dem Bus 155 fuhren wir gleich nach dem Frühstück nach Funchal und dann mit der Seilbahn hinauf nach Monte. Dort fanden wir schnell den Einstieg zur Levada dos Tornos und später zur Levada da Serra. 

Nach einem etwas steilen, kurzen Aufstieg hatten wir bald die Levada dos Tornos erreicht.

Unterwegs verlor Mirko plötzlich seine Mütze, aber mit einem Stock konnte er sie sich wieder aus der Levada heraus angeln. In einigen Kehren ging es zunächst,  auf sehr schmalen Weg neben der Levada, an einer steilen Schlucht entlang. Der weitere Weg verlief sehr angenehm und leicht. Auch den Übergang zur Levada da Serra fanden wir gut. Der Bewässerungskanal führte hier aber kein Wasser mehr. Der Weg wurde breiter und durch Bäume wie Kiefern, Eukalyptus und Kastanien auch schattiger. Zwischendurch hatten wir einen herrlichen, weiten Blick auf Funchal.

Oberhalb von Camacha (rechtes Bild) verließen wir bald die Levada und wanderten eine Asphaltstraße in Richtung Meer hinunter in den Ort. In Camacha selbst ist das bekannte Korbflechterzentrum. Gleich links neben dem Zentrum befindet sich eine kleine Aussichtsplattform, mit einem schönen Blick auf die Südostküste Madeiras. Von Camacha fuhren wir, gestärkt durch eine gute Tasse Kaffee, zum Hotel zurück. 

2. Wanderung: Eira do Serrado > Curral das Freiras - 2 km - 2 Std. -  zum Stall der Nonnen

Mit dem Bus  155 fuhren wir zunächst wieder nach Funchal und dann mit dem Bus 81 Richtung Curral das Freiras bis zur Bushaltestelle Eira do Serrado. 

Dort machten wir erst einen kleinen Abstecher zum Aussichtspunkt hinauf. Der Weg dorthin beginnt oberhalb vom Parkplatz, vorbei an einigen Souvenirständen. Von der Plattform hatten wir einen grandiosen Blick in den Talkessel von Curral das Freiras unserem Wanderziel. 

Wieder unten am Parkplatz angekommen fanden wir, wie beschrieben, gleich hinter den Souvenirläden den Einstieg. 

Vor uns lagen nun rund 450 Meter teilweise sehr steilen Abstiegs.  Dieser erfolgte in vielen kleinen Kehren, durch einen reichhaltigen Kastanienwald hindurch. Anfang Oktober waren die Kastanien natürlich noch nicht reif, leider! Im Ort angekommen, gab es nicht viel zu sehen. Nach einem kurzen Rückblick auf unseren Abstieg: "Da sind wir runter gekommen!"  (Bild unten rechts) und nach einer kleinen Mahlzeit, nahmen wir den nächsten Bus zurück nach Funchal. 

3. Wanderung: Aguas Mansas > Portela - 13 km - 5 Std. - durch den Märchenwald
Mit dem Bus ging es nach dem Frühstück, wie immer, nach Funchal. Von dort fuhren wir mit dem Bus 77 nach Aguas Mansas. Nach dem Wanderbuch suchten und fanden wir mühelos den Einstieg. Es ging leicht bergauf an einem kleinen Forsthaus vorbei. Bald trafen wir in einem kleinen Taleinschnitt auf die Levada da Serra do Faial. Die Bezeichnung Märchenwald im Wanderführer ist nicht übertrieben. Und es war tatsächlich eine gemütliche Levadatour, also genau das Richtige für uns. Die Bilder geben einen Einblick wie schön und abwechslungsreich die Tour war.

Kurz vor Portela, unserem Ziel, tauchte vor uns der Adlerfelsen auf. Der Abstieg hinunter nach Portela war nicht ganz so einfach, wie beschrieben. Eine gewisse Trittsicherheit sollte unbedingt vorhanden sein. Da wir noch etwas Zeit hatten, bis der Bus 53 uns zurück nach Funchal fuhr, tranken wir im Gasthaus eine leckere Tasse Kaffee. Inzwischen hatte es mächtig angefangen zu regnen. Doch das störte uns überhaupt  nicht. Wir waren wohlbehalten und trocken am Ziel angekommen.

4. Wanderung: Rabacal > Risco-Wasserfall > 25 Quellen - 12 km - 6 Std. - Felsen und Baumheide 

Nach vielen Überlegungen hatten wir uns für einige Tage ein Auto gemietet. Es gibt doch zahlreiche Wanderungen, deren Ausgangspunkte und Endpunkte nicht mit einem Linienbus erreichbar sind. Und wir wollten doch so gerne zur Hochebene Paul da Serra hinauf und dort einige Wanderungen machen.

So sind wir also nach dem Frühstück, auf die Autobahn in westliche Richtung, über Ponta do Sol und Canhas, hinauf zur besonders reizvollen Hochebene Paul da Serra gefahren. 

Diese Weite - diese Stille - unbeschreiblich schön - einfach herrlich!

Von dort fuhren wir weiter bis Rabaçal. Rabaçal bietet auf engstem Raum viele schöne Wandermöglichkeiten. Vom Forsthaus verlaufen die Wege entlang der Levadas auf drei Etagen. Ganz oben entlang der Levada do Risco zum Risco-Wasserfall. In der Mitte entlang der Levada das 25 Fontes zu den 25 Quellen. Unten verläuft der Weg entlang der Levada 
da Rocha Vermelha, sie ist die längste von den drei Levadas.

Leider war die Durchfahrt hinunter zum Forsthaus in Rabaçal gesperrt. So mussten wir das Auto oberhalb, an der Strasse auf dem großen Parkplatz stehen lassen und den Weg zu Fuß nehmen.

Vom Forsthaus sind wir dann zuerst zum Risco-Wasserfall gewandert. 

Im Wanderbuch wurde dieser Wasserfall als spektakulär bezeichnet. Na ja! Vielleicht, wenn er wesentlich mehr Wasser führt?

Von dort sind wir den Weg wieder zurück und dann zu den 25 Quellen gewandert. Hier verläuft der Weg teilweise nur auf einem kleinen Felsvorsprung. Also nichts für Leute die schwindeln oder gar Höhenangst haben. 

Die 25 Quellen (2. Bild unten) liegen in einem einsamen kleinen Seitental. Über bewachsene Felswände plätschern viele kleine Wasserfälle in einen kleinen See hinab. 

Wir hatten an diesem Tag herrliches Wetter. Und da wir uns diesmal nicht nach einem Busfahrplan richten mussten, hatten wir viel Zeit. So sind wir von den 25 Quellen nicht gleich bis zum Forsthaus zurückgelaufen, sondern noch weiter hinuntergestiegen zur Levada da Rocha Vermelha, also bis zur untersten Etage! Von dort sind wir später wieder hinauf (leider wieder hoch) und dann weiter entlang der Levada das 25 Fontes, diesmal entgegengesetzt zum Hinweg. 

Über eine Brücke hinweg gelangten wir zu einem großen Rasenplatz. Dort beginnt ein hoher langer Tunnel (800 m), der  Reitertunnel. Durch diesen erreichten (nur mit Taschenlampe!) wir den Südhang von Paul de Serra. 

Durch den Tunnel wanderten wir wieder zurück hinauf am Forsthaus vorbei und noch weiter hinauf zum Parkplatz. Wir sind in den 6 Stunden gut 400 m herunter und 400m wieder hinauf geklettert

Das war eine wunderbare Wanderung in einer sehr reizvollen Umgebung!

Diese herrliche Hochebene Paul da Serra ist Ausgangspunkt für viele weitere Wanderungen und weckte in uns sofort die Sehnsucht,  auch in Zukunft wieder auf Madeira Wanderurlaub zu machen.

5. Wanderung: Achado do Teixeira > Pico Ruivo - 5 km - 3 Std. - auf den höchsten Berg Madeiras

Sehr früh schon waren wir an diesem Tag unterwegs. Über die Autobahn fuhren wir nach Santana und von dort hinauf zum großen Parkplatz an der Achado do Teixeira. Als wir dort ankamen standen erst fünf Autos auf dem Parkplatz. Noch war die Sicht nebelverhangen. Aber kaum hatten wir unsere Wanderschuhe an und den Rucksack auf, begann sich der Nebel zu lichten. Und je weiter wir hinauf stiegen, um so sonniger wurde es. Vor uns lagen nun 270 m Aufstieg zum höchsten Berg Madeiras, dem Pico Ruivo mit 1862 m.

Die Wanderung verlief bis zur Pico-Ruivo-Hütte recht gemütlich, obwohl es immer leicht bergauf und ab und an auch wieder etwas bergab ging. Die Wege waren meist gut gepflastert. An der Hütte angekommen machten wir kurz Rast, um dann die letzten Meter, die leider recht steil waren, nach oben zu klettern. Auf dem Gipfel angekommen, wurde unsere Mühe mit einer herrlichen Aussicht reich belohnt. Wir hatten eine wunderbare Weitsicht. Gegen Mittag jedoch, als wir mit dem Abstieg begannen, zog es sich rasch wieder zu.
Als wir wieder unten am Parkplatz ankamen standen inzwischen  27 Autos und zwei Busse auf dem Platz.

Mit uns zusammen waren jedoch nur wenige Menschen auf dem kleinen Gipfelplateau gewesen. Das frühe Aufstehen hatte sich also wirklich gelohnt.

Diese 14 Tage Urlaub auf Madeira sind für uns, gerade durch die vielen Wanderungen, zu einem sehr schönen Erlebnis geworden und haben in uns die große Sehnsucht auf Fortsetzung geweckt. Vielleicht bekommen auch Sie jetzt Lust auf Madeira?! Wir können Ihnen einen Urlaub auf dieser wunderbaren, von Touristen noch nicht überlaufenen Insel, nur empfehlen. Sie werden, so wie wir, angenehm überrascht sein.

Dankbar für alles Erleben und für alle Bewahrung sind wir wieder glücklich zu Hause gelandet. Gott sei Dank!