Fischen im Allgäu 

Weihnachten 2003

Aus dem Reisetagebuch von Lisa Almeroth

Von meiner Geburtstagsfeier aus Wernigerode kommend haben wir mit Mirko und Yvonne eine Nacht bei uns zu Hause geschlafen. Am Montag, 22.12. um 9:02 Uhr wollen wir über die Weihnachtsfeiertage nach Fischen fahren.

Montag, 22. Dezember
Wie so oft bei der Bahn, der Zug hat Verspätung. Nach 35 Minuten kommt er endlich und wir machen es uns auf unseren Plätzen gemütlich. Toll, dass wir bis zum Zielbahnhof nicht umsteigen müssen. Beim Lesen, Plaudern, Kreuzworträtsellösen, Landschaft anschauen,  bei Essen und Trinken vergeht die Zeit wie im Fluge. Um 17:00 Uhr sind wir am Ziel. Unser Gastgeber holt uns ab. Während Klaus, Mirko und Yvonne laufen wollen, fahren ein Ehepaar, ich und das Gepäck mit ihm. Aufgrund des kurzen Weges zur Pension sind die Lieben auch schnell da. Im Flur werden wir freundlich von der Gastgeberin begrüßt, bekommen die Zimmerschlüssel und einige Informationen und begeben uns auf unsere Zimmer. Wir haben eine gemütliche Couchecke mit Tisch und Sessel, so dass wir uns schnell wohlfühlen. Ich packe die Koffer aus, Klaus macht derweil schon mal ein paar Außenaufnahmen, um die herrlich verschneite Umgebung einzufangen. Vor dem Speiseraum steht eine Info-Tafel, auf der wir lesen können, was es zum Abendessen gibt. Um 18:30 Uhr finden sich alle Gäste zum Essen ein. Wir bekommen einen gemütlichen Eckplatz mit Eckbank und Blick zum Fenster raus auf die verschneite Bergwelt. 

Serviert wird: Rapunzelsalat, eine Vorsuppe, Kalbsröllchen gefüllt mit Wirsing und Graupen, etwas Creme dazu, Soße, kleine Röstis und Nachspeise. Der Pensionschef ist ein hervorragender Koch. Das Essen hat super geschmeckt. Vater und Sohn machen noch einen kleinen Verdauungsspaziergang. Danach sehen wir uns "Wer wird Millionär" und die Nachrichten an, dann genießen wir die Nachtruhe.
Dienstag, 23. Dezember

Um 8:30 Uhr treffen wir am Frühstücksbuffet ein. Jede Menge gute Sachen gibt es. In unserer Couchecke machen wir die Andacht. Das Wetter ist traumhaft! Die Sonne scheint, strahlend blauer Himmel und die bezaubernde Schneelandschaft lassen uns richtig aufleben. Zuerst unternehmen wir einen Geschäftebummel, kaufen Obst und Getränke und Karten für eine Kutschfahrt. Nach einem Spaziergang durch den Ort ruhen wir uns  in unserem Zimmer aus. Im Untergeschoss befindet sich ein Kaffee-, Spiel- und Fernsehraum. Wir können uns hier selber den Kaffee zubereiten, Geschirr benutzen. Also trinken wir hier Kaffee und genießen unser mitgebrachtes Weihnachtsgebäck. Bis zum Abendessen machen wir einen ausgiebigen Spaziergang. Heute gibt es wieder etwas Leckeres: Vorsuppe, Tafelspitz in Meerrettichsoße, Kartoffeln und Nachspeise. Man kann sich immer etwas nachholen. Ich bin so froh, dass es Essen gibt, worauf ich Appetit habe, weil ich ja damit immer Probleme habe.
Um 19:55 Uhr trudeln Eva und Jörg ein. Herzliche Begrüßung in unserem Eck! Sie bekommen noch zu essen, es wurde extra warm gehalten. Bis 16:30 Uhr mussten beide noch arbeiten, dann die Fahrt mit dem Auto bis hierher. Gott sei Dank sind sie heil angekommen. Um 22:00 Uhr sind wir  auf unser Zimmer, um noch ein bissel miteinander zu plaudern. Um 23:00 Uhr  sind  wir müde, und ab geht es ins Bett.
Heiligabend
Wir gehen um die übliche Zeit zum Frühstücken. Danach Treff zur Andacht bei uns. Ein Spaziergang durch den Ort schließt sich an. Das Thermometer zeigt minus 11° an. Die Luft ist klar, die Sonne strahlt, der Himmel blau, und es ist richtig knackig kalt, aber wunderschön. Was wollen wir noch mehr?! Um 13:00 Uhr werden wir zur Kutschfahrt abgeholt, mollig warm in Decken und Schaffell eingepackt. Es geht an Skiliften vorbei über Anhöhen und Täler, kleine Bäche glucksen, dazu die Bäche glucksen, dazu die weiße Wunderwelt, über Dörfer, wie z.B. Bolsterlang, wo wir eine Kaffeepause einlegen.

Unserem Kutscher spendieren wir nach Wunsch ein Bierchen. Dann geht es zurück nach Fischen. Um 16:30 Uhr machen wir es uns in unserem Zimmer gemütlich. Mirko kocht Kaffee, ich decke den Tisch mit Weihnachtsdecke, Kerzen, Servietten, Mokkatässchen und Weihnachtsgebäck. Wir singen, beten, lesen eine Geschichte vor und teilen Geschenke aus. Unsere Kinder bekommen zum Schluss eine Minitruhe mit Geld und Urlaubsgutschein für 2004, von uns beiden getragen.

Ich glaube, sie können es gut gebrauchen und freuen sich darüber. Zum Abendessen wird hausgemachte Kalbsleberterrine mit Kürbiskernkrokant und eingelegten Rumpflaumen, dazu Haselnussbrot und Butter, dann geräucherte Graupencremesuppe mit gebackener Schweinszunge und Schnittlauch, Gänsebrust gebraten mit Maronen und Mandeln auf Apfelrotkraut und Kartoffelknödel serviert.

Als Nachspeise gibt es hausgemachtes Christstollenmus an Birnen in Grenadinsirup und weißer Zimtsahne. Der junge Chef, Herr Kees, spielt auf dem Keyboard Weihnachtslieder zum Mitsingen, liest aus dem Lukasevangelium die Weihnachtsgeschichte vor, sagt ein paar nette Worte und liest später noch eine Geschichte vom Weihnachtsbaum vor, die einen tiefen Sinn hat. Der alte Herr Kees bereitet eine Feuerzangenbowle zu und setzt sich dann zu uns an den Tisch. 

Er weiß, dass wir aus der ehemaligen DDR sind und erzählt uns als Sachse einiges aus seinem Leben. Als wir zu später Stunde auf unser Zimmer gehen, finden wir alle ein kleines Weihnachtsgeschenk vor. Welch eine liebe Geste! Dankbaren Herzens zu Gott für diesen wunderschönen Tag schlafen wir ein.
1. Weihnachtsfeiertag
Nach dem Frühstück gehen wir sechs in die ev. Kirche zum Gottesdienst. Wie gut, dass wir dabei sind, sonst würde die Kirche fast leer sein. Jede Menge Liturgie wird geboten und leider wenig Predigt. Na ja, es war ein Versuch, mal wieder in einer Landeskirche zu sein. Wie froh bin ich doch , dass in unserer FeG Gottes Wort klar und rein verkündet wird. 

Das Wetter lockt uns zum Spazieren gehen. Die Sonne strahlt auch heute, minus 3° sind es nur, also raus in die Schneelandschaft. Jedes Pärchen geht seine eigenen Wege.  Klaus und ich laufen bis zum Dorf "Au" und im Rundgang zurück nach Fischen. Traumhaft - kann ich nur sagen. Oft halten wir inne und nehmen die verschneiten  Berge, Flüsse und  was sich unserem Auge bietet in uns auf. Diese Begeisterung muss ich einfach lieben Menschen mitteilen. Ich rufe unterwegs Christel und Sonja an und schildere ihnen mein Empfinden.

Glücklich bin ich, da ich heute kaum Schmerzen verspüre, kann also richtig schön mitwandern.  Bald sind wir wieder daheim Klaus kocht Tee, den wir in unserem Zimmer genießen. Er erwärmt uns toll. Wir lesen und entspannen uns dabei.  Es ist so eine schöne Atmosphäre,  dass wir deutlich spüren, der Herr ist mit und bei uns.
2. Weihnachtsfeiertag

  Nach dem Frühstück  fahren wir mit Eva und Jörg nach Oberstdorf wieder bei herrlichstem Wetter. Mirko und Yvonne wandern woanders hin. Wir bummeln durch Oberstdorf. Anfangs kommt uns alles fremd vor, doch nach und nach erkennen  wir wieder einige Gegenden. Wir stellen fest, dass uns Fischen doch besser als Oberstdorf gefällt, es ist viel gemütlicher. Über Handy meldet sich Evas Vater, dass er gegen Mittag in Fischen aufkreuzt. Das heißt für uns, mit dem nächsten Zug zurück nach Fischen! Ein Stück vom Bahnhof entfernt entdecken wir ihn auch schon. Nach der Begrüßung gehen Eva und Jörg mit ihm Mittag essen. Wir halten ein Mittagsschläfchen. Wie verabredet treffen wir uns in einem Cafe zum Kaffeetrinken und haben dabei einen netten Gedankenaustausch. Anschließend vertreiben wir uns im Fernsehraum die Zeit mit einem Spiel bis zum Abendessen. Nach dem Essen verloben sich Jörg und Eva.

Alle gratulieren ihnen, sogar der alte Herr Kees kriegt das mit und gratuliert. Kurz danach spendiert er allen ein Schnäpschen. Jörg und Eva bieten  ein Glas Sekt an. Die Fotokamera darf dabei nicht fehlen. Mirko und Yvonne überreichen ihnen ein Geschenk. Papa Mitterer und wir haben keines, weil wir uns nicht ganz sicher waren ob oder ob nicht. Sobald das Brautpaar einen Wunsch äußert, wird er erfüllt. Papa Franz erzählt uns von Ungarn u.a.m. Es war jedenfalls ein schöner Abend. Vor dem Zubettgehen bezahlt Vati noch die Pensionsrechnung. Wir hatten ja die Kinder und den Papa Franz eingeladen. Um 0:30 Uhr gehen wir dann endlich zu Bett.

Samstag, 27. Dezember
Heute ist Abreisetag. Beim Frühstück dürfen wir uns für die Reise gratis Brötchen belegen. Zuerst verabschiedet sich Papa Franz; denn er will gleich weiter in die Tschechei zur Jagd. Dann sind Eva und Jörg dran. Mirko und Yvonne gehen mit uns gemeinsam zum Bahnhof. Der Gastgeber bringt unser Gepäck wieder im Auto zur Bahn, und wir verabschieden uns herzlich und dankend bei ihm. Auch seiner englischen Frau, die uns reizend bediente, danken wir. Mit Mirko und Yvonne plaudern wir auf dem Bahnsteig noch ein wenig, bis unser Zug kommt. Sie bedanken sich lieb für diese Tage im Allgäu und schon steigen wir in den Zug. Sie selbst fahren 20 Minuten später in Richtung Duisburg. Sie winken uns noch zu, und bald sind wir wieder allein, wunderschöne Erinnerungen in unserem Gepäck. Ohne Verspätung treffen wir gesund und munter in Hannover ein, versorgen uns mit einigen Lebensmitteln,  und ab geht es in Richtung Lüneburger Damm.
Mirko ruft an, dass sie wohlbehalten zu Hause ankamen. Wir benachrichtigen auch Jörg per Telefon. Wir selbst sind von Herzen dankbar für die schönen Tage in Fischen, für das tolle Wetter, die herrliche Unterkunft, einfach für alles. Danke, HERR!