Erzgebirge

2000

Aus dem Reisetagebuch von Lisa Almeroth

Freitag, 1. Dezember
Am Freitag (1.12.) fahren Klaus & Lisa, Emil & Christel gemeinsam mit der Bahn nach Freiberg. Wohlbehalten kommen wir an. Auf  dem Bahnsteig  empfängt uns Klaus Mader ganz herzlich. Wir freuen uns alle auf das Wiedersehen. Vor der Bahnhofshalle warten wir ein paar Minuten. Richtig spannend ist es. Ein Minibus kommt auf uns zu. Freundlich begrüßt uns der Fahrer und bittet uns einzusteigen. Wie bereits im Frühjahr haben Klaus und Ursula doch tatsächlich wieder den Bus organisiert. Zuerst bringt er uns in die Stadt bis vor Maders Haus. Sollte Ursula vor der Weiterreise etwa  noch Kaffee bereitet haben? Doch gleich bittet uns Klaus, ihm zu folgen. Wir spazieren in Richtung Schwanenschlösschen. Auf dem Zugangssteg  zum Schlösschen entdecken wir Ursula. Fast sieht es so aus, als sei sie die Empfangschefin. Freude-strahlend begrüßt sie uns. Es ist nicht zu fassen. Sie haben im Cafe mit Blick auf den Schwanenteich einen Tisch bestellt.

Insgeheim wünschten wir uns schon, dort mal einzukehren. Diese Überraschung ist ihnen gelungen. Am Tisch begrüßen wir Ursulas Tante, die im hohen Alter noch mit uns reist. Bei gutem Kaffee und hausgemachter Torte plaudern wir gemütlich. Die Schwarzwälder Kirschtorte ist ein Prachtexemplar. Ein Stück ist an Geschmack und Größe kaum zu überbieten. Ob Emil das wohl packt? Aber das ist kein Problem für einen Freund süßer Köstlichkeiten. Nachdem alle gestärkt und zufrieden sind, bringt uns der Bus bis Neuhausen bei Seiffen. Nach nur etwa einer Stunde Fahrtzeit kommen wir im „Ferienhotel Goldhübel„ an, in dem die Lieben für uns alle Zimmer vorbestellt hatten.

Das Hotel liegt oberhalb des Ortes sehr schön ruhig. Freundlich werden wir empfangen, die Zimmer werden uns sogleich zugewiesen. Wir sind mit der Unterbringung sehr zufrieden. Nach einer kleinen Ruhepause treffen wir uns um 19 Uhr im Restaurant. Bei schmackhaftem Essen und gutem Wein tauschen wir Gedanken aus. Zu unserer Freude entdeckt Klaus einen Billardraum, den wir bald in Beschlag nehmen. Wir haben viel Spaß beim Spielen. Als unsere Markstücke zur Neige gehen , beschließen wir ins Bett zu gehen.
Samstag, 2. Dezember
Nach einem guten Schlaf frühstücken wir um 7:15 Uhr. Um 8 Uhr holt uns der Busfahrer ab. Emil und Christel verstauen ihr  ganzes Gepäck im Auto. Wir wundern uns alle darüber. Als wir im Bus sitzen, fragen wir die beiden , warum sie die Sachen mitnehmen. „ Ja, schlafen wir denn heute Abend nicht in einem anderen Hotel?“ Unsere Antwort: „Wir sind doch nicht in Israel, wo dies öfter geschah.“ Herzliches Lachen allerseits. Die beiden Lieben hatten  die Information nicht mitgekriegt, dass wir  nur im „Goldhübel“ übernachten. Also laden sie am Abend das Gepäck wieder aus  und freuen sich über  unser festes Quartier. Auf dem Plan steht das Besucherbergwerk in Frohnau.
Hier nehmen wir an einer Führung teil durch den „Markus–Röhling–Stollen“. Zuvor heißt es Schutzhelm aufsetzen und Regenschutz überhängen. Mit der Grubenbahn fahren wir ein, ca. 10 – 15 m tief. Hier finden wir gut begehbare Wege vor. Ein Grubenführer erklärt uns sehr interessant die geschichtliche Entwicklung. Es bewegt uns zutiefst, unter welch extrem schweren Bedingungen die Männer früher hier unten nach Erz schürfen mussten. Auch in neuerer Zeit, mit Maschinen, blieb es eine Knochenarbeit. Erst 1953 wurde der Abbau mangels Uranerzfunden eingestellt. Im Juli 1994 konnte das Besucherbergwerk eröffnet werden das von Mitgliedern des Vereins Altbergbau mühevoll instand gesetzt wurde. Nach etwa 600 m Fahrt können wir eindrucksvolle Zeugnisse aus der Zeit des Silber- und Kobaltbergbaus von 1733 bis 1857 und des Uranbergbaus der SDAG Wismut besichtigen.

Die Hauptattraktion ist das 9m hohe Kunstrad, das originalgetreu und voll funktionsfähig nachgebaut wurde. Circa 500 m haben wir in einer Stunde zu Fuß zurückgelegt. Nun bringt uns das Grubenbähnli wieder ans Tageslicht. Alles in allem war es ein überwältigendes Erlebnis. Bei Glühwein und sächsischer Kartoffelsuppe erwärmen und stärken wir uns im nahegelegenen Restaurant. Von hier bringt uns der Minibus nach Cranzahl, wo die nächste Überraschung auf uns wartet. Etwas ganz Tolles haben sich die lieben Maders einfallen lassen.

Mit der Fichtelbergbahn  fahren wir bis Oberwiesenthal. Da strahlt besonders der Eisenbahnfan, der große Klaus. Die Schmalspurbahn schlängelt sich entlang dem Erzgebirgsflüsschen „Sehma“. Wir überqueren den größten Kunstbau der Strecke, das 23m hohe und 110m lange Viadikt über das Hüttenbachtal. Bald erreichen wir Oberwiesenthal, die höchst-gelegene Stadt Deutschlands. 1406 erstmals urkundlich erwähnt (Erzvorkommen), 1526 entdeckte man Silber, 1899 Errichtung der ersten Gaststätte und steinernen Aussichtsturm, 1924 entstand die Fichtelberg-Schwebebahn. 1926 wurde die Wetterwarte errichtet;  1938 die Fichtelbergschanze eingeweiht, nach Großbrand 1966 Neubau mit Aussichtsturm auf Fichtelbergplateau  errichtet.

Nach Abriss dieses Komplexes, am  18.7.1999 völlig neuerbautes Fichtelberghaus mit Aussichtsturm eingeweiht. Mit dem Minibus  fuhren wir zum  Appartement - Hotel,  das dem berühmten  Skispringer  Jens Weissflog gehört. Hier schauten wir uns kurz um und spazierten ein wenig auf dem Fichtelberg rund ums Fichtelberghaus. Allmählich  wird es dunkel und kalt. Die beiden Klaus - Männer schweben mit der ältesten Seilschwebebahn der Bundesrepublik ins Tal (Trassenlänge 1175 m, Höhenunterschied 303 m) Unterdessen fahren wir anderen mit dem Minibus zur Talstation, wo wir alle wieder zusammenfinden. Auf geht es, zurück zum Hotel. Hier müssen wir erst einmal die vielen schönen Eindrücke verarbeiten. Nach dem Abendessen spielen wir Romme. Wir haben viel Spaß dabei. Und wieder geht ein ereignisreicher Tag zuende.     
Sonntag,  1. Advent 2000
Es ist der 1. Advent. Nach dem Frühstück bringt uns der Minibus nach Seiffen. Wir besuchen den Gottesdienst in der Bergkirche (1777–79 von Christian Reuther erbaut). Die Rundkirche wird häufig als Modell für weihnachtliche Holzschnitzarbeiten verwendet. Die Form kannten wir schon von früher.

Aber jetzt erst sehen wir, es gibt sie wirklich –  und es ist die Kirche von Seiffen. Alljährlich findet hier die Seiffener Adventsmusik statt. Außen und innen ist die Kirche wunderschön gestaltet. Ein Posaunenchor bläst, die Sternsinger ziehen ein und vom Pastor hören wir eine gute Predigt. Nach dem Gottesdienst besuchen wir den weihnachtlich geschmückten Ort Seiffen mit den vielen Geschäften, Verkaufsständen und Handwerksbetrieben. Prachtvolles Kunsthandwerk bestaunen wir. 

Hier ist die Heimat der Schwibbbögen, Weihnachtspyramiden und vieles mehr. Dann begeben wir uns zum Treffpunkt. Der Weg dorthin will kein Ende nehmen. Es geht bergan, der Nebel, die feuchtkalte Luft machen mir sehr zu schaffen. Das  Bähnli fuhr aufgrund des Nebels nicht durch den Ort, es heißt also tapfer weiter, bis uns der Klaus entgegen kommt. Bald stoßen wir auf  den Rest der Truppe. Auch Emil hat zu kämpfen.
Im Grunde sind alle geschafft. Endlich erreichen wir die Gaststätte. Nix wie rein in die warme Stube. Wir stärken uns mit reichhaltigem, preiswerten Essen.  Gegenüber, im Haus des Gastes, erleben wir ein volkstümliches, Erzgebirgisches Adventssingen.  Ein tolles Programm wird  uns geboten. Nebenbei genießen wir Stollen, Kuchen und Kaffee, im Eintrittspreis inbegriffen

Zur Erinnerung macht Klaus ein paar Fotos  vom Chor und von uns. Frohgemut stiefeln wir hinunter in den Ort. Es ist nicht mehr so neblig, und  bergab läuft es sich leichter. Wieder bummeln wir durch die Geschäfte. Mein Schatz entdeckt eines, in dem Christel sich einen langgehegten Wunsch erfüllen kann. Verhältnismäßig preiswert ersteht sie einen wunderschönen Schwippbogen.

Wir freuen uns alle mit ihr. Ich finde noch kleine Präsente für die Lieben, die uns bei den Hochzeitsvorbereitungen halfen. Jetzt erwartet uns der Busfahrer am vereinbarten Treffpunkt. Ab geht die Fahrt zum Hotel Goldhübel. Beim und nach dem Abendessen halten wir Rückschau auf das Erlebte. Wir sind unserem Herrn und Gott dankbar und auch den lieben Maders für solch ein schönes Wochenende, für all die Mühe, Liebe und Großzügigkeit, die Ursula und Klaus aufgewendet haben. Gott segne sie dafür! 
Montag, 4. Dezember
Heute fahren wir zurück nach Freiberg. Unser Fahrer hat uns gut  bis  in die Nonnengasse gebracht. Unser Gepäck stellen wir bei den lieben Maders ab. Da wir bis zur Abfahrt des Zuges nach Hannover noch ein bissel Zeit haben, bummeln wir über den Weihnachtsmarkt. Christel und ich entdecken kuschelige Schäfchen. Die kaufen wir uns gleich. Ein Geschenkvorrat ist immer gut. Jetzt heißt es aber auf zum Bahnhof. Klaus Mader fährt uns in seinem Auto hin. Plötzlich  vermisse ich einen gekauften und einen geschenkten Stollen sowie die Eierschecke. Im Eiltempo fährt Klaus nochmals nach Hause. Kurz vor Einfahrt des Zuges kommt er strahlend auf uns zu. Tatsächlich hat er die Sachen in der Wohnung entdeckt. Wir freuen uns riesig und danken ihm für seinen Einsatz. Der Zug ist in Sicht. Große Verabschiedung. Einsteigen und ab geht es. Ein letztes Winken. Die Fahrzeit vergeht wie im Fluge.

Bald sind wir wohlbehalten zu Hause. Danke, Herr, für die Bewahrung! Danke, Ihr Lieben in Freiberg, für das wunderschöne, erlebnisreiche Wochenende!  Wir werden uns immer gerne daran erinnern.