Bodensee

2000

Aus dem Reisetagebuch von Lisa Almeroth

Auf diese Fahrt freuten wir uns besonders, denn anstrengende Wochen lagen hinter uns allen. Durch Beruf, Bewirtung von EXPO- und anderen Gästen waren wir doch sehr in Anspruch genommen. Am 12.9. trafen wir uns auf dem Bahnsteig. Pünktlich um 9:25 Uhr setzte sich der Zug in Richtung Süden in Bewegung. Wir, das waren  Erika und Friedrich, Emil und Christel, Klaus und Lisa. Leider konnten Gardi, Sonja und Viktor aus beruflichen Gründen nicht mit. Sie wären zu gerne dabei gewesen. Gegen Abend erreichten wir Nonnenhorn. Am Bahnhof holte uns unser Gastgeber mit dem Auto ab. Emil und all unser Gepäck wurde eingeladen. Wir anderen gingen das kurze Stück zu Fuß. Ganz herzlich wurden wir wieder von Herrn und Frau Wezler empfangen. Nach dem Koffer auspacken ging es in das Restaurant Zum Torkel“ zum gemeinsamen Abendessen. Als erstes wurde der so beliebte  Holunderblütensekt probiert.

Selbst Friedrich schmeckte das liebliche Getränk, wonach er nicht mal Kopfschmerzen bekam. Auf das Wohl von Adelgund und den anderen Daheimgebliebenen wurde angestoßen. Dann ließen wir uns das berühmte Felchenfiliet schmecken, worauf wir uns schon sooo lange gefreut hatten. Wie immer hatten wir wieder viel Spaß miteinander. Erika hielt uns mit ihrer ansteckenden Fröhlichkeit in Schwung. Dennoch stellte sich nach der langen Bahnfahrt die Müdigkeit ein. Bald machten wir uns auf den Heimweg und dann husch ins Körbchen. 
Mittwoch, 13. September
Am  nächsten Morgen begrüßte uns strahlend die Sonne. Nach dem Frühstück und der Andacht  fuhren wir mit der Bahn nach Lindau. Bei Kaffee und Kuchen im Freien ließen wir uns von der Sonne bestrahlen. Vor uns lag der Bodensee, Schiffe beobachteten wir bei der Ein- und Ausfahrt. Das war Urlaub pur. Klaus führte uns zu seinem  Lieblingsbäckerladen, wo wir köstliche Vollkorn-Spezialitäten kauften. Ich besorgte mir ein Memory-Spiel, um mit meiner lieben Freundin unser Gedächtnis ein bissel zu trainieren. Während Erika und Friedrich noch länger durch die Stadt bummelten, fuhren wir vier mit dem Schiff bis Nonnenhorn. Klaus bestellte heute einen Tisch im Restaurant „Weinstube Fürst“.  Um 20:00 Uhr trafen wir uns dort alle zum  gemütlichen Abendessen.   

Donnerstag, 14. September

Auf unserem Programm steht eine Busfahrt ins Allgäu, die Klaus bereits von Hannover aus angemeldet hatte. In Lindenberg wartet unser Busfahrer eine Weile auf den Zubringer, der weitere Ausflügler zu unserer Gruppe dazu stoßen lässt. Endlich geht die Fahrt weiter. Wir genießen die herrliche Landschaft  mit den saftigen, grünen Wiesen. Bald liegt dichter Nebel über den Tälern so, wie es unser Auge selten zu sehen bekommt. Als sich der Nebel auflöst, kommt die Sonne durch, strahlt in ihrer ganzen Pracht und lässt die Landschaft noch schöner erscheinen. Wir erfreuen uns  an den Bergen und Seen, an der herrlichen Schöpfung unseres Gottes.  Bald   erreichen wir Füssen im Allgäu. Hier haben wir über vier Stunden Aufenthalt. Wir bummeln durch die Fußgängerzone, dann wandern wir zum
Forggensee, mit dem Schiff schippern wir zwei Stunden über den See mit Blick auf das Märchenschloss von König Ludwig. Wohin unser Auge schaut, überall entdeckt es wunderbare Landschaft. Emil ist von dem Weg zum See geschafft und genießt die Fahrt auf seine Weise. Die sanften Bewegungen des Schiffes wiegen ihn in den Schlaf. Am Ausgangspunkt unserer Fahrtroute wieder angekommen, spaziert er mit uns tapfer zum Bus-Haltepunkt.  Unterwegs spornt Erika den Friedrich zum Wettlauf an. Wie junge Rehe sprinten sie die Anhöhe hinauf. Es ist erstaunlich, wie Friedrich mithält. An der Bushaltestelle angekommen, bleibt noch Zeit für einen kleinen Imbiss. Dann ist auch schon unser Bus in Sicht. Einsteigen und ab geht`s! Unterwegs übermannt uns doch die Müdigkeit. Ein kurzes Nickerchen wird eingelegt. Bald genießen wir wieder die herrliche Landschaft; denn es soll uns nichts entgehen. Gegen 19 Uhr hat uns Nonnenhorn wohlbehalten wieder.

Um 20 Uhr treffen wir uns im  >Stedi< zum volkstümlichen Konzert. Unsere Männer sind richtig gut drauf,  takten zur Musik, rufen bravo und klatschen begeistert in die Hände. Besonders Emil ist in seinem Element, was meiner lieben Christel nun überhaupt nicht gefällt. Erika gibt so nette Kommentare von sich, was Friedrich nicht verstehen kann. Sie solle doch das Quasseln unterlassen, das stört. Dennoch können wir uns das Kichern nicht verkneifen. Es gibt doch soviel zu lachen. Erika unterhält die ganze Truppe mit ihrer fröhlichen Art. Um 20:30 Uhr holt Klaus den Jörg vom Bahnhof ab. Freudige Begrüßung im Stedi! Nach einer Weile begeben wir uns ins Restaurant, um uns am guten Abendessen zu laben. Dabei erinnert sich Emil an die Salatstory mit Opa. Sie wird  natürlich zum besten gegeben, wobei erneut das Gelächter einsetzt. Nach dem reichhaltigen Essen verlangt der Magen nach einem Magenbitter. Frohgemut treten wir den Heimweg an. Die lange Fahrt hat uns alle recht müd‘ gemacht. 
Freitag, 15. September
Mit dem Bodensee-Schiff geht es nach Hagnau. Klaus zieht es zum Winzerverein, um den dortigen Wein zu verkosten. Wir schließen uns an und entdecken zum ersten Male, wie schön dieser Ort ist. Am Seeufer entlang  sind kleine, gemütliche Restaurants, schmucke, mit Blumen geschmückte Häuser. Im Winzerstübchen wird Wein probiert und natürlich auch bestellt. Mit dem Linienbus fahren wir bis Meersburg. Erika und Friedrich waren noch nie hier. Sie finden das Städtchen genau wie wir sehr romantisch. Diesmal besuchten wir endlich einmal die „Bibel-Galerie“. Neben vielem Interessanten zum Thema „Bibel“ war diesmal eine Sonderausstellung der Schweizer Künstlerin „Doris Egli“ zu sehen.

Sie hat in vielen einzelnen Szenen biblische Geschichten mit selbstgefertigten Figuren und Gegenständen gestaltet. Der Ideenreichtum und die Detailtreue waren sehr aussagekräftig und haben uns fasziniert. Vor der Rückfahrt nehmen wir in einem Restaurant am See noch  Kaffee, Kuchen oder Kakao zu uns. Dann geht’s mit dem Bus nach Friedrichshafen.
Mit Jörg und  Hoffmanns fahren wir weiter mit dem „Toch“ nach Lindau, um Cathleen vom Bahnhof abzuholen. Tiemanns fahren gleich nach Nonnenhorn zurück. Klaus will Fahrkarten kaufen. Auf dem Wege dorthin kommt ihm Cathleen schon entgegen. Sie konnte einen früheren Zug nehmen. „Das wusste ich doch, dass Cathleen einen früheren Zug nimmt“, meint Emil. Wie schön, Cathleen bringt Jörgs Gitarre mit. Bei den morgendlichen Andachten begleitet Jörg unser Singen auf der Gitarre. Abends treffen wir uns in der Gaststätte „Adler“. Das Essen ist zwar gut und reichlich, aber uns stören die Hunde von Gästen, zumal wir ekelerregende Szenen beobachten. Wir beschließen deshalb, hier nicht mehr zum Essen einzukehren. Gute Nacht und schüss  „Adler“!    

Samstag, 16. September
Heute fahren wir mit der Bahn von Nonnenhorn über Lindau, Bregenz, Feldkirch nach Bludenz. Von hier fährt die Montafonerbahn nach Schruns. Dort angekommen, ergibt sich die Möglichkeit mit der Hochjoch-Seilbahn zum Kapell-Restaurant in Höhe von 1855 m zu schweben. Christel ist schon jetzt bei dem Gedanken ganz übel. Sie bleibt mit Emil im Ort, bummeln durchs Städtchen und trinken Kaffee. Klaus gibt ihnen die nötigen Valuta (Shillinge). Wir begeben uns in die Höhe. Am „Kropfen“ bei 1335m Höhe müssen wir umsteigen. Die Landschaft ist bezaubernd schön, doch je höher wir kommen, umso nebliger wird es. Zeitweise sehen wir überhaupt nichts mehr. Oben angekommen klärt es sich wieder auf. Wir erkunden zu Fuß die nähere Umgebung. Erika und Friedrich entdecken einen als Trog ausgehöhlten Baumstamm, in dem mittels eines Schlauches Quellwasser eingeleitet wird. Erika kann nicht widerstehen. Schuhe und Kniestrümpfe aus und schwupp – erst das rechte, dann das linke Bein hinein in die eisigen Fluten. Das tut gut!  Friedrich und Klaus machen es gleich nach. Leider habe ich Kompressionsstrumpfhosen an, sonst hätte ich mich dieser Erfrischung nicht entzogen.

Cathleen und Jörg machen derweil Aufnahmen mit der Videokamera. Ob sie die Mutigen erwischt haben???  Friedrich macht ganze Sache, indem er sich mit einem Fuß im Trog in Richtung Erika bewegt, die am Ende des Troges sitzt. Das eiskalte Wasser schwappt richtig schön über bis unter ihren Po und erwischt voll das eine Hosenbein. Iiiiii, ist das nass und kalt!  Sie will schnell hochspringen, schafft es aber nicht gleich, weil der Trog zu breit ist. Endlich gelingt es ihr. Gott sei Dank nimmt sie es mit Humor. Und wir Zuschauer haben wieder gut lachen. Zum Glück ist es im Restaurant schön warm, so dass die Hose ein bissel abtrocknen kann. Nach einer kleinen Stärkung fahren wir wieder runter ins Tal. Es regnet auf einmal was das Zeug hält. Beschirmt laufen wir zum Treffpunkt.
Von weitem entdecken wir Christel und Emil türstehenderweise und beschirmt vor dem Cafe. Gemeinsam laufen wir zum nahegelegenen Bahnhof.    Während der Zugfahrt klärt es auf; es könnte noch ein sonniger Abend werden. In Bregenz steigt ein Teil der Gruppe aus, um das Schiff nach Nonnenhorn zu nehmen. Erika und Friedrich bleiben im Zug und fahren weiter über Lindau. Es ist kaum zu glauben. Gerade den  Regengüssen entwichen, sitzen wir an Deck und genießen wieder strahlenden Sonnenschein. Jörg spendiert  eine Flasche Wein und serviert uns dazu den gerade erworbenen Bergkäse.  Das war  eine ganz liebe Geste und ein besonderer Genuss.  Abends sind wir im Restaurant „Zur Kapelle“ (Familie Witzigmann). Klaus genießt den leckeren  Entenbraten, aber auch wir anderen haben uns etwas Gutes servieren lassen. Im Gespräch lassen wir den Tag noch einmal an uns vorüber ziehen. Wir sind von Herzen für das Erlebte dankbar und haben viel Spaß miteinander. 
Sonntag, 17. September
Unser Ziel ist das Appenzeller Land. Mit dem Zug fahren wir bis Lindau und von hier mit dem Schiff bis Rorschach (Schweiz) . Diesmal wollen wir die Rundfahrt andersherum machen und steigen in das Schiff nach Rheineck. Mit der Zahnradbahn geht es dann aufwärts nach Walzenhausen. Nach einem kurzen Trip kehren wir im Hotel „Walzenhausen“ ein, um den guten, altbekannten Schümli-Kaffee zu trinken. Da wir gerade zur Mittagszeit eintreffen  und viele Gäste zu bewirten sind, ist das Bedienungspersonal voll im Stress. Ab 14 Uhr gibt es sowieso erst Kaffee und Kuchen. Aber bald werden wir bedient. Dann fahren wir mit dem Bus nach Heiden.

Dort setzen wir uns auf eine Bank im Grünen mit Blick auf den Bodensee und erfreuen uns an dem wunderschönen  Panorama. Abwärts spazieren wir ein kleines Stück Wegs zum Bahnhof. Unterwegs sind an einigen Bäumen oder Pfählen kleine Bilder, dazu witzige Texte angebracht. Neugierige wie wir bleiben stehen und lesen. An eine winzige Story erinnern wir  uns noch: Ein Pastor unternimmt mit Konfirmanden einen Museumsbesuch.  Sie stehen vor einem Skelett. Der Pastor erklärt, dass das ein Mensch war, der verstorben ist. Darauf ein Bub: „ O je, do kimmt wohl bloß der Speck von dem in Himmel“.  Mit der Rorschach-Heiden-Bergbahn fahren wir runter bis Rorschach, vorbei an saftigen Almen und schmucken Häuschen.
In Fahrtrichtung auf der rechten Seite breitet sich der Bodensee einmalig schön vor uns aus. Schiffe und Segelboote wirken wie kleine Spielzeuge. Wir alle erfreuen uns  an diesem Anblick. Christel guckt besonders intensiv auf den See und meint : „Huch, ist das Wasser aber schräg!“  Wir müssen alle herzlich lachen. Sicher denkt sie nicht daran, dass die Bahn abwärts fährt und  ihr der See deshalb schräg erscheint. Von Rorschach aus geht es mit dem Schiff zurück nach Lindau. Hier müssen wir uns leider von Jörg und Cathleen verabschieden. Sie fahren zurück nach Klosterlechfeld; denn am Montag wartet die Arbeit wieder auf sie. Es war eine so schöne Zeit mit ihnen. Sie erfreuten uns mit ihrer fröhlichen, aufgeschlossenen Art. In Nonnenhorn angekommen, speisen wir nochmals im Torkel. Holunderblütensekt und Felchen ziehen uns dort immer wieder hin. Ein schöner Tag geht zu Ende.  
Montag, 18. September
Nach Frühstück und Andacht  faulenzen wir in der Sonne. Erika und Friedrich haben sich ein Fahrrad ausgeliehen. Sie radeln am Bodensee entlang bis Friedrichshafen über Wasserburg und zurück. Eine stolze Leistung! Alle Achtung! Christel und ich bestellen beim Nachbarn geräucherte Felchen, gehen mit unseren Männern zur Weinhandlung >Fürst<, wo Wein verkostet und zum Versand bestellt wird. Anschließend spazieren wir durch die Apfelplantagen, naschen dabei ein paar Weintrauben und eine Birne, sammeln ein paar Äpfel in unsere Einkaufsbeutel und ehe wir es versehen, sind wir auch schon in Kressbronn. Von hier fahren wir mit dem Zug zurück nach Nonnenhorn. Wir ruhen uns aus, lesen ein wenig und packen unsere Koffer.

Die Sonne lädt uns ein zu einen Bummel an den See. Spatzen und Möwen füttern wir. Dann futtern auch wir Kuchen und trinken Kaffee.  Abends treffen wir uns alle beim  „Seewirt“ zum Abschiedsessen. Im sogenannten „Stübchen“ finden wir ein gemütliches Plätzchen. Erika und Friedrich berichten uns ausführlich von ihrer tollen Radtour. Das macht uns richtig Lust, das nächste Mal auch solche Tour zu unternehmen. Leider ist die schöne Zeit in Nonnenhorn zu Ende. Wieder einmal durften wir sonniges Wetter erleben und eine wirklich erholsame Zeit. Unserem treuen Herrn sei Lob und Dank dafür und für die Bewahrung auf all unseren Wegen, bei allen Unternehmungen, und für die freundliche Bewirtung bei unseren Gastgebern, Familie Wezler.
Dienstag, 19. September

Am Dienstag brachte Herr Wezler in alter Treue unsere Koffer im Auto zur Bahn. Er und sein kleiner Enkel winkten uns zu, während sich unser Zug in Richtung Hannover in Bewegung setzte.

Um 18:30  sind wir glücklich und gesund

in Hannover angelangt.